Hattmannsdorfer: Soziales ist der Kitt der Gesellschaft

Seine Grundsätze liegen in der christlichen Soziallehre, sagt Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer

Im Team von LH Thomas Stelzer war Wolfgang Hattmannsdorfer bereits als OÖVP-Landesgeschäftsführer an zentraler Position tätig. Am Samstag konnte Stelzer seinem neuen Landesrat zur einstimmigen Wahl durch die OÖVP-Fraktion gratulieren.
Im Team von LH Thomas Stelzer war Wolfgang Hattmannsdorfer bereits als OÖVP-Landesgeschäftsführer an zentraler Position tätig. Am Samstag konnte Stelzer seinem neuen Landesrat zur einstimmigen Wahl durch die OÖVP-Fraktion gratulieren. © OÖVP/Mayr

Er pflege auf Menschen „ungezwungen“ zuzugehen, beschreibt der neue Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (OÖVP) seinen Stil.

VOLKSBLATT: Bei Ihrem Antritt als OÖVP-LGF haben Sie gesagt, Sie wollen zeigen, „dass es lässig ist, in der Politik zu arbeiten“. Was ist „lässig“ an einem Regierungsamt?

LR HATTMANNSDORFER: Der Begriff „lässig“ beschreibt schon im Duden gut mein Verständnis von Politik. Der Begriff steht nämlich für „ungezwungen, ohne große Förmlichkeit“. So pflege ich auf Menschen zuzugehen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Das ist das Lässige an der Politik.

Mit welcher grundsätzlich-politischen Agenda tritt der Soziallandesrat Hattmannsdorfer an?

Soziales bildet immer den Kitt für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Da birgt dieser Aufgabenbereich eine große Verantwortung. Meine Grundsätze liegen in der christlichen Soziallehre. Es muss im Miteinander immer um Hilfe zur Selbsthilfe gehen und um das klare Bekenntnis, dass wir in Oberösterreich auch weiterhin niemanden zurücklassen werden.

Wie viel Zeit zum Einarbeiten gibt Ihnen LH Thomas Stelzer?

Das müsste man ihn selbst fragen. Ich bringe in die Arbeit im Sozialressort, im Integrationsressort und im Jugendbereich meine jahrelange Erfahrung als Bereichssprecher im Landtag sowie aus dem Management des Oö Hilfswerks ein. Das ist mein fachliches Fundament. Dazu kommt meine große Bereitschaft, für die Menschen in Oberösterreich die kommenden schwierigen Jahre zu sicheren Jahren zu machen und mein Bestreben, Oberösterreich als Land der Zusammenarbeit und des Zusammenhalts Tag für Tag ein Stück besser zu machen.

Wann war für Sie absehbar, dass Sie in die Landesregierung wechseln?

Ab dem Tag, an dem mich Thomas Stelzer eingeladen hat, in seinem Team für sichere Jahre die wichtigen Zuständigkeiten für Soziales, Integration und Jugend zu übernehmen. Diese ehrenvolle Einladung liegt erst wenige Tage zurück.

Mit den Sozialagenden übernehmen Sie einen parteipolitisch bisher der SPÖ zugeordneten Bereich. Macht es das schwieriger?

Diese Fragestellung entspricht schon im Ansatz nicht meinem Weltbild. Für mich heißt es eben christlich-sozial. Es geht einerseits um die Eigenverantwortung, also Hilfe zur Selbsthilfe, und gleichzeitig um Hilfe für jene, die sich nicht selbst helfen könne, wie Menschen mit Beeinträchtigung.

Was sagen Sie den Mitarbeitern in diesem Bereich?

Ich drücke bei jeder Gelegenheit meine Wertschätzung gegenüber den Menschen in den Sozialberufen aus und gleichzeitig mein Versprechen, dass wir an zwei Dingen festhalten werden: Am Bemühen, etwa die Menschen in Pflegeberufen von bürokratischen Hemmschuhen zugunsten der Arbeit am Menschen zu befreien. Und zweitens das Versprechen, dass wir in Oberösterreich auch weiterhin niemanden zurücklassen werden. Dieses Versprechen manifestiert sich beispielsweise im rasanten Ausbau der Wohneinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung unter Landeshauptmann Thomas Stelzer oder in der Zielsetzung, in jedem Bezirk eine Spezialstation für die Betreuung von Menschen mit Demenz einzurichten.

Wir haben eine alternde Gesellschaft, die viele spezielle Bedürfnisse hat. Kann die Politik das alles stemmen?

Unsere Generation hat die Verpflichtung und Verantwortung, für jene, die unser Land aufgebaut haben, ein Altern in Würde zu garantieren. Das haben sie sich in unserem Land verdient. Stemmen müssen wir diese Aufgabe alle gemeinsam! Indem wir die pflegenden Angehörigen noch besser unterstützen, indem wir Tagezentren und Kurzzeitpflege ausbauen, indem wir die ehrenamtlichen Leistungen für ältere Menschen hervorheben. All das ist ein gemeinsamer Kraftakt, den wir schaffen müssen, schaffen wollen und schaffen werden.

Sie haben selbst auch einen Spagat zu bewältigen – Sie sind auch für die Jugend zuständig. Wie geht Jugendpolitik?

Warum Spagat? Es gibt einen engen Zusammenhang. Wenn ich daran denke, dass es junge Menschen in der Mindestsicherung und Armut gibt, ist mein Ziel, sie rasch in Beschäftigung zu bringen und zu verhindern, dass sie im Sozialsystem hängen bleiben. Oberösterreich hat in Sachen Bildung, Arbeit, Freizeit, Sport, Unterhaltung und Gemeinschaftssinn auch für junge Menschen viel zu bieten. Diese Angebote gilt es den jungen Menschen zu präsentieren und auf dem Stand der Zeit zu halten.

Wann ist für Sie Integration gelungen?

Wir als OÖVP machen Integration nicht an Herkunft, Glauben oder Hautfarbe fest. Gelungen ist für uns als OÖVP Integration dann, wenn jemand die deutsche Sprache lernt, jemand unsere Werte und Alltagsnormen achtet und sich aktiv auf dem Arbeitsmarkt einbringt.

Muss Integrationspolitik restriktiver werden?

Integrationspolitik muss vor allem eines werden: zielgenauer! Wir werden daher den Bezug von Förderungen aus den Integrationstöpfen künftig an die Verpflichtung knüpfen, mit den Aktivitäten das Erlernen der deutschen Sprache, die Achtung der hiesigen Werte sowie die Notwendigkeit einer aktiven Erwerbsarbeit zu unterstreichen. Nicht dulden und nicht fördern werden wir Netzwerke, die in ihren Aktivitäten oder Botschaften diesen Zielsetzungen nicht entsprechen.

Seitens der OÖVP hieß es, zu einer christlich-sozialen Partei passe auch das Soziale. Ist die Hilfe für Flüchtlinge nicht auch eine zutiefst christlich-soziale Aufgabe?

Hilfe für Flüchtlinge ist eine christliche Verpflichtung, das Vorgaukeln offener Grenzen und unerschöpflicher Aufnahmekapazitäten in Österreich wäre aber unverantwortlich. Daher helfen wir als Oberösterreich und Österreich Flüchtlingen in aller Welt vor Ort – umfassend und aus Überzeugung.

Was werden Sie aus Ihrer Arbeit als OÖVP-Landesgeschäftsführer in neuer Funktion vermissen?

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, besagt ein Sprichwort. Gleichzeitig wohnt jedem Anfang aber auch ein Abschied inne. In meinem Fall eben der Abschied aus der OÖVP-Landesparteizentrale. Am meisten schmerzt mich der Abschied von den Mitarbeitern, denn es war das beste Team, das man sich wünschen kann.

Die Fragen an Landesrat WOLFGANG HATTMANNSDORFER stellte Markus Ebert


Zur Person – Wolfgang Hattmannsdorfer

Der nunmehr für Soziales, Integration und Jugend zuständige Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer ist gebürtiger Linzer, der 42-Jährige ist verheiratet und Vater von zwei Buben. Vor seinem Wechsel in die Landesregierung war Hattmannsdorfer seit 2013 Landesgeschäftsführer der OÖVP.

Seine politische Karriere in der Landespartei begann 2003 als Assistent des Klubobmanns. 2010 zog er in den Linzer Gemeinderat ein, 2015 wechselte er vom Gemeinderat in den Landtag und wurde Sozialsprecher. Der Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften promovierte 2007 an der Johannes Kepler Uni mit der Dissertation „Stadt, Land, Stadtrand — Geographische Segmentierung des OÖ Wählermarktes. Analyse und Erklärung für das unterschiedliche Wahlverhalten am Beispiel LTW 2003“. Dafür erhielt er ein Jahr darauf den Leopold-Kuntschak-Wissenschaftspreis.

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