Indonesien befürchtet ungewollten Babyboom durch Corona-Krise

Wegen der Corona-Pandemie steht Indonesien nach Einschätzung seiner Behörden vor einem unerwarteten Babyboom. Weil viele kleinere Kliniken aufgrund der Beschränkungen im Kampf gegen das Virus geschlossen wurden und Ärzte und Hebammen deutlich weniger Patienten behandeln, könnten Anfang 2021 aufgrund von ungeplanten Schwangerschaften 420.000 Babys mehr auf die Welt kommen als gewöhnlich.

Das erklärte die indonesische Familienplanungsbehörde am Dienstag.

Viele Menschen hätten derzeit keinen oder kaum Zugang zur Geburtenkontrolle, sagte Behördenleiter Hasto Wardoyo. „Viele hören auch auf die Anweisung der Regierung, abgesehen von Notfällen zu Hause zu bleiben“, sagte er. „Ich denke einmal, viele sehen Verhütung nicht als Notfall an.“

Wardoyos Behörde schätzt, dass etwa zehn Prozent der 28 Millionen Teilnehmer am landesweiten Familienplanungsprogramm derzeit Probleme haben, an Verhütungsmittel zu kommen – in dem muslimischen Land sind es überwiegend Frauen, die für Verhütung sorgen. Mitarbeiter sollen deshalb nun von Tür zu Tür ziehen und für Abhilfe sorgen. Die Behörde befürchtet vor allem eine Zunahme der Mutter- und Säuglingssterblichkeit. Die Coronakrise sei einfach ein ungeeigneter Zeitpunkt, um schwanger zu werden, unterstrich Wardoyo.

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