Industrie hofft trotz hoher Risiken auf kräftigen Aufschwung

Aufschwung – ja, aber: Zu diesem Ergebnis ist die Industriellenvereinigung (IV) in ihrer neuesten Konjunkturanalyse im Zeichen der Coronakrise gekommen. Läuft alles gut – keine neuen Lockdowns, Erfüllung des Impfplans – wird ein Wirtschaftswachstum von 4 Prozent prognostiziert. Doch die Krise birgt viele Unwägbarkeiten, die dieses Wachstum schrumpfen könnten. Und auch wenn es 4 Prozent werden: Das Vorkrisenniveau wird frühestens im zweiten Quartal 2022 erreicht.

Als „entscheidend“ hoben IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und -Chefökonom Christian Helmenstein auch die Rückkehr zu einem normalen Schulalltag hervor. Die Produktivität sinke nämlich, wenn die Eltern während ihrer Homeoffice-Arbeitszeit das sogenannte Homeschooling durchführen.

Neumayer sprach sich dafür aus ab 8. Februar zumindest Teile des Handels wieder zu öffnen. Hierbei drehe es sich auch darum, die Menschen insgesamt bei den Coronamaßnahmen mitzunehmen.

„In vielen Teilen der Wirtschaft, auch in Kultur und Sport, weiß ich von vielen Unternehmen, dass sie dort angekommen sind, wo es de facto nicht mehr weiter geht – trotz vieler Hilfen, die in der Breite großzügig sind“, bedauerte der Industrie-Vertreter. Er fordert ein besseres Tracingsystem und auch einen Plan dafür, wie man mit Menschen umgeht, die schon geimpft, frisch freigetestet oder genesen sind.

„Das wirtschaftliche Leben muss Schritt für Schritt wieder hochgefahren werden“, so Neumayer. Dass die viel zitierte 50er-Inzidenz erreichbar ist, „lasse ich dahingestellt“, zeigte er große Zweifel an dieser Grenzmarke für Öffnungen.

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Entscheidend sei auch eine rasche Wiederaufnahme des internationalen Reiseverkehrs – sowohl privat als auch geschäftlich – ohne regulatorische Einschränkungen spätestens bis Juli sowie intakte Lieferketten. „Dann besteht aus unserer Sicht die Chance auf einen der stärksten Aufschwünge der vergangenen 20 Jahre“, sagte Neumayer am Donnerstag via Internet vor Journalisten. Restriktionen aufgrund neuer Virusmutationen bedeuteten auch noch eine Gefahr. Zur Wachstumsbremse könne der Fachkräftemangel werden, „wir setzen verstärkt auf Qualifizierung“.

Alleine wegen des historisch schweren Einbruchs ist laut IV-Chefökonom Christian Helmenstein ein besonders starker Aufholeffekt drinnen. Dazu gebe es weitere spezifische Faktoren, die einen kräftigen Aufschwung erwarten ließen. „Dazu zählt die Normalisierung der Sparquote von ihrem derzeit nahezu verdoppelten Niveau aus, die wiederhergestellte Erreichbarkeit von Nah- und Fernmärkten der österreichischen Industrie und der Tourismuswirtschaft sowie ein hoher Nachfrageimpuls aus der Investitionsprämie.“ Helfen dürften auch das Post-Brexit-Abkommen und der Wechsel im Weißen Haus in Washington, so Helmenstein.

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