Inflationshoch löst EZB-Debatte über Zinswende aus

Die Inflation im Euroraum steigt von Rekordhoch zu Rekordhoch und bringt die EZB auf ihrem Niedrigzinskurs in die Bredouille. Die Verbraucherpreise kletterten im März um 7,5 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich 6,6 Prozent auf dem Zettel, nach 5,9 Prozent im Februar. Die Inflation liegt nun meilenweit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent.

Laut Bundesbank-Chef Joachim Nagel sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: „Die Geldpolitik darf nicht die Gelegenheit verpassen, rechtzeitig gegenzusteuern.“

EZB-Chefökonom Philip Lane reagierte hingegen betont gelassen: Es sei wichtig, dass sich die Notenbank Zeit nehme, sagte er dem Sender CNBC. Die Inflationsrate sei zwar sehr hoch. Es gelte aber die nächsten Sitzungen und die in diesem Quartal anstehenden Prognosen zu nutzen, um sich ein umfassendes Lagebild zu verschaffen. Nun müssten zunächst die Auswirkungen der hohen Energiepreise auf die Tarifrunden und die Folgen der Teuerung für die Haushalte und Firmen analysiert werden.

Die EZB trifft sich am 14. April zu ihrer nächsten Sitzung. Sie will im dritten Quartal ihre milliardenschweren Anleihenkäufe beenden, wenn es der Inflationsausblick zulässt. Das Aus des Anleihenprogramms gilt als Voraussetzung für eine Zinswende, die „einige Zeit“ danach vollzogen werden soll.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer sieht Bedarf für einen strafferen Kurs: „Jetzt kommt es darauf an, dass die EZB endlich den Fuß vom Gas nimmt. Ansonsten steigen die Inflationserwartungen weiter, und die hohe Inflation setzt sich dauerhaft fest.“

Haupttreiber sind die stark gestiegenen Preise für Energie, die im Zuge des Ukraine-Kriegs noch weiter anzogen. Sie legten auf Jahressicht um 44,7 Prozent zu, nach 32,0 Prozent im Februar. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 7,8 Prozent. Die EZB stellt sich auf kurze Sicht auf noch weiter steigende Verbraucherpreise im Euroraum ein. EZB-Vizechef Luis de Guindos rechnet erst in einigen Monaten mit dem Höhepunkt. In der zweiten Jahreshälfte sollen sie sich dann abflachen.

Zugleich dürfte die Wirtschaft nach dem Ukraine-Schock vorerst nur noch vor sich hindümpeln, wenn der Spanier mit seiner Prognose recht behält. Für das erste Quartal ist demnach nur ein geringes Wachstum zu erwarten und für das zweite Quartal ein Wert nahe null. Trotz dieser trüben Aussichten dringen einige Währungshüter mit Verweis auf die hohe Inflation darauf, dass die Wende zügig eingeleitet wird. Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann brachte bereits den September als Termin für eine Zinswende ins Gespräch.

Sein Mantra: Wenn die Inflation steigt, ist es Aufgabe der Zentralbank, die Zinsen zu erhöhen. Die EZB hatte 2014 den Einlagensatz erstmals auf unter null Prozent gesenkt. Er liegt derzeit bei minus 0,5 Prozent. Holzmann dringt auf eine Abschaffung dieser Strafzinsen für Banken, die Geld bei der EZB parken. Auch der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot hat zwei Zinserhöhungen im laufenden Jahr nicht ausgeschlossen.

In der aktuellen Situation habe die EZB keine andere Wahl, als die geldpolitische Straffung in Angriff zu nehmen, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Mit Blick auf den auf Flexibilität angelegten Kurs der Währungshüter fügte sie hinzu: „Daraus könnte auch folgen, die Zinsen etwas schneller als zuvor geplant anzuheben.“

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