Infrastruktur? „Sind ins Hintertreffen geraten!“

ÖFB-Präsident Leo Windtner hofft auf eine Sportstätten-Offensive, nicht nur für Fußball

FUSSBALL WM-QUALIFIKATIONSSPIEL: ??STERREICH - MOLDAU

„Wir brauchen wieder einen Anwalt des Sports“, erklärte Windtner. Bezüglich der Parteizugehörigkeit gebe es keine Präferenz. „Aber es soll eine Person sein, die den Sport im Herz hat und nicht auf den Lippen“, so der Oberösterreicher.

„Das Wesentlichste ist, dass die kommende Bundesregierung den Stellenwert des Sports und die Wertigkeit des Sports endlich einmal richtig einschätzt“, sagte Windtner und verwies auf Leistungen in den Bereichen Integration, Soziales und Gesundheit. Der Präsident des Fußball-Bundes forderte eine angemessene Steuerpolitik, etwa Erleichterungen für Ehrenamtliche.

Ein besonders brennendes Thema ist die Infrastruktur. Dabei gehe es laut Windtner nicht nur um ein mögliches Nationalstadion und ein nationales Trainingszentrum für den Fußball, sondern auch um Sportstätten für Schwimmer, Volleyballer oder Leichtathleten. „Da sind wir ins Hintertreffen geraten“, betonte Windtner.

Die vom Wiener Sportstadtrat Peter Hacker zuletzt medial genannten Kosten von 300 bis 400 Millionen Euro für den Neubau eines Nationalstadions im Wiener Prater bezeichnete der ÖFB-Chef als völlig überzogen. „Das ist fernab einer wirklich seriösen Einschätzung.“ Experte Claus Binz vom deutschen Institut für Sportstättenberatung (IFS) hätte Zahlen vorgelegt, wonach man ein Stadion für 50.000 Zuschauer „um 150 Millionen Euro bauen kann“.

Machbarkeitsstudien bis Jahresende

Mit einer Gegenfinanzierung könnten die Kosten für die öffentliche Hand — aufgeteilt auf Bund und Gemeinde — laut Windtner auf rund 100 Millionen gesenkt werden. Optionen dafür wären etwa eine Nachnutzung des Ernst-Happel-Stadions für Wohnungen und Geschäfte oder namensgebende Partner für das neue Stadion gewesen.

Bis Jahresende sollen nach dem Nein Wiens Studien die Machbarkeit an den nun angedachten Standorten in Niederösterreich und dem Burgenland erheben, erklärte Windtner. Bei den “ein bis zwei“ besten werde man dann auf die Gemeinden und das Land zugehen. „2020 wollen wir zu Konkreterem schreiten.“ Dann sollte auch bereits ein neuer Sportminister im Amt sein.

„Für Team wichtig, eine Heimstätte zu haben“

Das Trainingszentrum an ein neues Stadion anzuschließen, wäre laut Windtner „vernünftig“, aber nicht zwingend notwendig. „Zwingend ist, dass wir eines brauchen. Derzeit sind wir Wandervögel. Für das Nationalteam ist es wichtig, eine Heimstätte zu haben“, so das Fazit Windtners.

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