Ingenieure: Tragödie war vorhersehbar

Einsturz von Autobahnbrücke in Genua forderte 42 Todesopfer — Regierungsmitglieder machen Betreiber für Unglück verantwortlich

Oben: Ein grün-blauer Lastwagen ist zum Symbol des verheerenden Einsturzes geworden. Der Lenker konnte das Fahrzeug kurz vor dem Abgrund anhalten. Unten: Die Einsatzkräfte arbeiten an der Absturzstelle auf Hochtouren.Während eines Unwetters stürzte am Dienstag die Morandi-Brücke in einer Höhe von 40 Metern auf einem etwa 100 Meter langen Stück ein.
.Während eines Unwetters stürzte am Dienstag die Morandi-Brücke in einer Höhe von 40 Metern auf einem etwa 100 Meter langen Stück ein. © AFP/Hache (2), AFP/Cruciatti

GENUA — Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua am Dienstag mit 42 Todesopfern suchten gestern die Rettungskräfte weiter fieberhaft nach Überlebenden. Laut Zivilschutz sind etwa tausend Helfer an den Bergungsarbeiten beteiligt, darunter Feuerwehrleute, Polizisten und Rotkreuz-Mitarbeiter.

Unterdessen mehren sich in Italien die Schuldzuweisungen. Gegen den Betreiber Autostrade seien Schritte eingeleitet worden, um die Lizenz zu entziehen und eine Strafe von bis zu 150 Millionen Euro zu verhängen, erklärte Verkehrsminister Danilo Toninelli am Mittwoch. Auch der Fünf-Sterne-Chef und Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio machte das Unternehmen verantwortlich. Innenminister Matteo Salvini sprach sich ebenfalls für einen Lizenzentzug aus.

bezahlte Anzeige

Autrostrade wies den Vorwurf von Pflichtverletzungen bei der Überwachung des Bauwerkes zurück. Man habe die Brücke auf vierteljährlicher Basis entsprechend den gesetzlichen Vorgaben kontrolliert, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Man habe aber auch zusätzliche Prüfungen vorgenommen.

Ursache für Unglück weiterhin unklar

Die Ingenieurswebseite „ingegneri.info“ nannte das Unglück am Mittwoch eine „vorhersehbare Tragödie“ – es habe immer schon „strukturelle Zweifel“ am Bau des Ingenieurs Riccardo Morandi gegeben. Die Brücke, die in gut 40 Metern Höhe auf einem 100 Meter langen Stück eingestürzt war, wurde zwischen 1963 und 1967 errichtet. Der inzwischen verstorbene Morandi ist für seine Brückenbauten berühmt, bei denen er eine spezielle Konstruktionsweise mit Spannbeton verwendete. Schon lange seien die Probleme dieser Bauart bekannt, kritisierte Antonio Brencich, ein Experte für Betonbau von der Uni Genua. Die Brücke sei schon wenige Jahre nach der Fertigstellung baufällig gewesen, zuletzt mussten Anfang der 2000er-Jahre Tragseile ersetzt werden.

Die Unglücksursache war gestern weiter unklar, wobei die Staatsanwaltschaft durchblicken ließ, dass es sich um menschliches Versagen handeln könne. Die Regierung verhängte einen zwölfmonatigen Ausnahmezustand für die Hafenstadt und gab fünf Mio. Euro Soforthilfe frei.

In OÖ werden jährlich mehr als 1000 Kontrollen und 350 Überprüfungen von Landesbrücken vorgenommen, um deren Sicherheit zu gewährleisten, sagte Landesrat Günther Steinkellner. Im oö. Landesstraßennetz gibt es 3145 Brücken und Kunstbauten. Eine Prüfung findet alle sechs bis zwölf Jahre statt. Dabei wird der Erhaltungszustand dokumentiert und bewertet. Eine Kontrolle findet alle zwei Jahre statt oder nach einem Anlassfall wie einem Hochwasser. Dabei werde festgestellt, ob sich der Erhaltungszustand seit der letzten Prüfung verändert hat.