Inmitten eines dreckigen Systems

MeToo-Debatte in hervorragendem Film

Sein Gesicht schwebt über dem Film, wie einst sein Name über Hollywood-Blockbustern kreiste. „The Assistant“ erzählt nicht explizit seine Geschichte, trotzdem bleibt der Gedanke an den mächtigen Filmproduzenten, der kürzlich wegen Sexualverbrechen zu 23 Jahren Haft verurteilt worden ist, hängen.

Regisseurin Kitty Green hat die MeToo-Debatte in einen sehr ruhigen, aber unheimlich starken Film mit einer herausragenden Hauptdarstellerin gepackt. Julia Garner stemmt den Streifen, der einen Tag in einer Filmproduktionsfirma aus ihrer Sicht erzählt, quasi alleine. Jane arbeitet seit kurzem für einen sehr mächtigen Filmproduzenten und mit ihr erkennt der Zuschauer Stück für Stück, was in diesem Unternehmen vor sich geht. Der Ohrring einer jungen Frau im Büro des Produzenten, ein Haargummi im Sofa, eine sehr junge Kellnerin, die einen nicht vorhandenen Job bekommt, ein Paket voller Injektionen gegen Erektionsstörungen, die wie selbstverständlich in ein Regal einsortiert werden und nach Gebrauch routiniert entsorgt.

Jane ist das letzte Glied in der Kette, eine Assistentin, deren Leben sich von frühmorgens bis spätabends in der Firma abspielt, zwischen schnellen Snacks, Kopierarbeiten und Telefonaten. Der Chef aller ist allmächtig, bleibt aber unsichtbar. Einzig seine Worte offenbaren ihn: rüde, verächtlich, demütigend, respektlos und erniedrigend.

Sie entblößt die Mitwisser

Green seziert die Mechanismen der Hierarchie, die Verlockungen der Macht über Untergebene und entblößt die Mitwisser und Wegschauer. Janes verzweifelter Versuch, das System aufzubrechen, endet schmachvoll. „Keine Angst, sie sind nicht sein Typ.“

Aus der blassen, in den Wänden der ganz und gar nicht glamourösen Filmwelt fast untergehenden Assistentin, wird ein wahrhaftiger Mensch, als Jane mit ihrem Vater telefoniert. Endlich jemand außerhalb dieses dreckigen Systems.

Kitty Green erzählt in „The Assistant“ keine Nuance zu viel und keine zu wenig.

Wie ist Ihre Meinung?