Innovative Ausstellung „mitten im Covid-Trauma“

Schlossmuseum: Künstlergemeinschaften im Zeitalter der sozialen Medien

Brandon Lipchik, Garden Hose, 2019, Acryl, Airbrush und Mischtechnik auf Leinwand
Brandon Lipchik, Garden Hose, 2019, Acryl, Airbrush und Mischtechnik auf Leinwand © Courtesy of the artist, Robert Grunenberg and Sammlung Haus N

Quer durch alle Generationen haben wir die digitalen Möglichkeiten gerade in jüngster Zeit zu schätzen gelernt. Wenn „Social Distancing“ angesagt ist, kann uns die digitale Welt immer noch verbinden. Sie bringt uns Vor- und Nachteile — und sie ist fixer Bestandteil unseres Lebens.

Längst findet auch Kultur digital statt. Die Grenzen zwischen analogen Formen und digitalen verschwimmen und beeinflussen sich gegenseitig. Genau da setzt das Linzer Schlossmuseum mit „Friends and Friends of Friends. Künstlergemeinschaften im Zeitalter der sozialen Medien“ an.

Die Ausstellung von internationalem Format, kuratiert von Inga Kleinknecht, wurde gestern eröffnet und wird bis 6. Jänner 2021 zu sehen sein. „Auch international gesehen, eine der innovativsten Ausstellungen im ganzen Covid-Trauma“, verspricht Alfred Weidinger, Direktor der OÖ Landes-Kultur GmbH.

Was ist im Moment Kunst?

Die Wände der vorangegangenen Schau „Warhol bis Cindy Sherman“ sind geblieben. „Ist eine Warhol-Schau noch notwendig oder ist schon alles gesagt?“, fragte Weidinger im Zuge der Eröffnungspressekonferenz. „Es geht um die Fragen: Was ist im Moment Kunst? Was ist zeitgenössisch? Wo stehen wir derzeit?“

Und die Antworten sind vielfältig wie vielversprechend. Persönlich anwesend waren Künstler wie Oli Epp und Harrison Pearce aus London oder Jebila Okongwu aus Rom. „Epp gilt als einer der jungen Künstler, die nach ihrem Abschluss aufgrund von Instagram hohe Verkaufszahlen erreicht haben. Aber das ist nur ein Faktor. Diese Künstler sind nie oberflächlich“, sagt Kleinknecht. „Diese Ausstellung ist eine einzigartige Möglichkeit. Das während der Corona-Pandemie zu zeigen, ist ein fantastischer Job“, betonte Epp. Was ist real, was digital? Das ist hier die Frage. Epp verwendet knallige Farben, seine Werke zeugen von großer künstlerischer Qualität.

Okongwu setzt sich sozialkritisch mit der afrikanischen Kultur auseinander. Nachgebaute überdimensionale Bananenboxen schlagen den Bogen zur Sklaverei, lugt man durch ein Loch hinein offenbart sich ein „Kerker“.

Pearce zeigt mit seinem analytisch-philosophischen Zugang die Unmöglichkeit auf, die Realität wirklich wahrzunehmen. Auch medizinische Aufnahmen können trügen, eine Erfahrung, die Pearce selbst machte. Ein Gehirnscan gab ihm nur noch sechs Monate Lebenszeit — eine Fehldiagnose. Nun verschmelzen in seinen Werken die Bereiche der Medizin, Technik und Kunst.

Poppig und kritisch

Daniel Boccato sprengt humorvoll und in poppigen Farben die Grenzen zwischen Malerei und Skulptur. Gina Beavers Werke stellen einen starken Bezug zu Instagram her und hinterfragen diese Welt kritisch. Eine Serie von Brandon Lipchik im instagramtauglichen Format bietet mit einer ungewöhnlichen Perspektive voyeuristische Einblicke in die Privatsphäre gut situierter Vorstadtgärten — der Blick kommt von oben, ganz so als würde es sich um eine Drohnenaufnahme handeln. Austin Lee beschäftigt sich mit digitalen Techniken, übersetzt diese am Ende aber wieder in Malerei.

Auch ein echter Klassiker mischt sich mit Peter Schuyff in die junge Riege. Digitale Medien und die Wirkung eines Bildschirms, die flimmernden Details übersetzt er auf die Leinwand. Denimstoff und Pop-Art-Ästhetik mischt sich bei Nick Doyle. Sarah Slappey lässt den Betrachter fragend zurück: Wo beginnt der Körper, wo hört er auf?

Mit Keramiken zwischen Mensch und Tier regt Roxanne Jackson die Fantasie an. Cheyenne Julien widmet sich mit ihrer Malerei sozialen Randgruppen, ihre Figuren mit großen Augen erinnern an Comics. Mit seinen großformatigen „Wimmelbildern“ hinterfragt Dale Lewis die politische Situation.

Shawanda Corbett setzt trotz körperlicher Beeinträchtigung ihren Körper ein, um ihre Kunst zu schaffen. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken …

Übrigens ausdrücklich erwünscht: Fotos in der Ausstellung machen und posten!

„Es ist die erste große Ausstellung mit der Landes-Kultur GmbH hier im Schloss. Die Möglichkeiten des Hauses werden hier hervorragend genützt, mit einem genau in die Zeit passenden Thema. Es werden hier Werke internationaler Topkünstler präsentiert. Mit dieser Ausstellung fallen wir über die Grenzen unseres Landes hinaus auf, wir zeigen, wie wir moderne Kulturvermittlung verstehen“, unterstrich Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Alfred Weidinger plane mit seinem Team künftig jährlich oder alle zwei Jahre eine Ausstellung dieser Art: „Es ist wichtig, unsere ganze Energie hier auf Junge auszurichten, den Jungen eine Chance zu geben, sie stehen Warhol und Sherman um nichts nach, sie haben heute dasselbe Alter, wie Warhol damals.“

www.ooelkg.at

Wie ist Ihre Meinung?