Instrumentenmöbelbau

Die alte Trommel hat jetzt Schubladen und die dazugehörigen Becken leuchten mit einer Glühbirne versehen von der Decke, die ausrangierte Gitarre ist ein Setzkasten geworden. In der kleinen, feinen Werkstatt von Samuel Karl (25) in Buchkirchen wird so mancher Tongeber unter dem Titel „Ausgespielt“ zu schönem wie nützlichem Mobiliar.

Text: Melanie Wagenhofer

Derzeit plant Karl ein Dreigestirn aus E-Gitarren, die mit einer Neonröhre zusammengehalten in einem Stiegenhaus von der Decke baumeln werden. In 3-D erstellt er am Computer in Absprache mit dem Kunden Modelle, die das künftige Lichtobjekt schon recht realistisch zeigen.

Eine Trommel, die zum Aquarium wurde

In der Werkstatt von Karl hängt waagrecht ein Gitarrenbord, das mit einer Lade versehen ist. Es hält Schlüssel, indem man einen Teil davon unter die Saiten schiebt. Aus Becken sind originelle Lampen geworden, die Karl in der Mitte durchbohrt und mit Glühbirnen versehen hat. „Da kann man draufschlagen, wenn das Essen fertig ist“, sagt der Tischlermeister lachend. Auch ein Kindercello dient bereits als Lampenschirm. Die Trommeln, versehen mit ein oder zwei Laden, machen sich als Beistelltisch, als Nachtkästchen oder auch als Bar großartig. Sogar ein Aquarium ist schon aus einem Schlagzeugteil geworden. Karl hat dafür den Corpus aus Plexiglas nachgebaut. Der Kreativität sind im Instrumentenmöbelbau der Marke „Ausgespielt“ keine Grenzen gesetzt. In ein Gitarrenloch ist eine Uhr eingezogen, aus Blasinstrumenten wurde eine Garderobe, die Decke einer alten Gitarre mit Korken ausgekleidet zur Pinnwand und mit Abteilungen zum Setzkasten umgebaut. Ein Gitarrenverstärker ist jetzt ein Wandkästchen für Schlüssel oder andere kleine Dinge. Die Querflöte eignet sich als Türgriff, Lampenschirm oder für eine Garderobe …
Angefangen hat alles mit einer alten Trommel. Karl, der selbst Schlagzeug gelernt hat, experimentierte mit deren Hohlraum herum, den er für andere Zwecke nutzen wollte. Im Zuge der Planung einer Geschäftseinrichtung — eine Aufgabe, die ihm an der HTL für Möbelbau in Hallstatt, wo er zur Schule ging, gestellt worden war — , stattete der gebürtige Engerwitzdorfer seinen Plan für einen Musikladen mit Möbeln aus verschiedenen Instrumenten aus. So kam es, dass er in den ersten Trommelkorpus eine Öffnung schnitt und eine Lade einbaute. Heute hat er die Technik für den Umbau alter Schlagzeuge perfektioniert: Zuerst wird die Decke des Instrumentes verstärkt, damit es die nötige Stabilität erhält, dann die Fächer ausgeschnitten und die mit moderner Tip on-Technik versehenen Laden eingebaut. So ein Umbauauftrag ist in etwa drei Wochen erledigt. Man kann die Trommelkörper in glänzende oder matte Farben einkleiden oder sie lackieren. Die Bearbeitung von neuen Trommeln hat Karl mit kleinen Maschinen schon rationalisiert und stellt kleine Serien her. Die alten Instrumente, die ausgespielt haben, werden in dem Ein-Mann-Betrieb ausschließlich von Hand bearbeitet und sind allesamt Einzelstücke. Die Arbeit daran muss sehr konzentriert vor sich gehen. Karl: „Man hat beim Hineinschneiden nur einen Versuch.“

Seine unternehmerische und handwerkliche Begabung hat Karl aber schon viel früher ausgelebt. So lud er schon als Achtjähriger zum Nachbarschaftsfest, bei dem er eigene Erzeugnisse präsentierte. Seine Eltern hatten ihm eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der er damals vor allem Bilderrahmen herstellte. „Holz hat mir immer schon getaugt“, sagt er. Nach dem Besuch der HTL in Hallstatt arbeitete Karl zunächst als Montagetischler. Als die Firma, bei der er angestellt war, zusperrte, konzentrierte er sich mehr und mehr auf seine besonderen Möbel, baute Prototypen, darunter eine Trommel und eine Gitarre mit Schubladen. Und ließ einen Versuchsballon fliegen, indem er auf einer Möbelmesse ausstellte, wo seine Produkte gleich gut ankamen. Karl gründet „Ausgespielt“, betreibt sein kleines Unternehmen zunächst nebenberuflich, seit Mai dieses Jahres hauptberuflich. Mittlerweile hat er an die 70 Instrumente umgebaut. Bei ihm kaufen Musikliebhaber, designaffine Menschen und Leute, die ein ausgefallenes Geschenk suchen.

Jedes Instrument hat eine zweite Chance verdient

Viele Kunden kommen mit „ausrangierten“ Instrumenten zu Karl. „Manche bringen die Gitarre vom Opa, andere die Zither von der Mama, wieder andere Instrumente, auf denen sie selber gespielt haben.“ Sonst findet der junge Tischler sein „Rohmaterial“ bei Musikalienhändlern, auf willhaben.at oder auch einmal auf einem Flohmarkt. Beim Umbau ist es ihm wichtig, dem guten alten Stück seine Patina zu erhalten, Kratzer, Dellen und sonstige kleine Schäden nicht verschwinden und ihm so jedem Stück seine Geschichte zu lassen oder einen Bezug zum Besitzer. Für einen Musikverein hat er eine Stehlampe gebaut mit einem Tenorhorn, das ein kreisrundes Licht an die Wand wirft.

Und wann hat ein Instrument ausgedient? Karl: „Wenn es in einer Ecke oder auf dem Dachboden steht und verstaubt.“ Zu dem, was er tut, gebe es durchaus unterschiedliche Meinungen, wie er zugibt: „Manche finden, dass man das man mit einem funktionstüchtigen Instrument nicht machen kann, andere sagen: Das Beste, was man damit machen kann.“ So wie jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat, habe auch jedes Instrument die Chance verdient, einem neuen Nutzen zugeführt zu werden, findet Karl. Umbaumöglichkeiten und Ideen gibt es viele, immer wieder reift Neues in Karls Kopf heran. Und er hat einen Traum: Er möchte gern ein Klavier umbauen, auch da schwebt ihm schon einiges vor…
Die Stücke von Ausgespielt sind in der Edelwerkstatt Wels, in einigen Möbelhäusern ( u. a. Manzenreiter, Team 7) und im eigenen Online-Shop erhältlich. Ausgespielt ist von 16 bis 18. November auch auf der Messe „Haus und Wohnen“ in Linz vertreten.

https://ausgespielt.at/