Interview mit einer Fichte

Ein Latschenbad, Waldmassagen, Wald-Wyda (das Yoga der Kelten), Kneippen, geführte Spaziergänge durch den Wald und noch einiges mehr. Bei Waldness steht das geführte Erleben des Waldes und seiner Heilkraft im Mittelpunkt des neuen touristischen Angebots.

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Text und Fotos von Oliver Koch

„Ich heiße Fritz, bin 32 Meter hoch und 110 Jahre alt. Und ich weiß gar nicht, wie viele Kinder ich habe“, leiht Fritz Wolf, Spiritus Rector der Waldpädagogik in Österreich, einer mächtigen Fichte seine Stimme. Der 68-Jährige lehnt am Stamm des gebieterischen Nadelbaumes in seiner Waldschule in Scharnstein im Almtal und beantwortet geduldig alle Fragen über den Baum. Und das ist auch wirklich spannend. Denn Hand aufs Herz: Wie viel wissen wir über den Wald und die Bäume, die doch so immens wichtig sind? Eben dieser Besuch der Waldschule bildet einen Eckpfeiler des nun aus der Taufe gehobenen touristischen Angebotes namens Waldness. Doch nicht nur Infos gehören zum Nachmittagsprogramm bei Fritz Wolf – auch das Arbeiten mit Holz (sägen, schnitzen, hacken) soll den Waldness-Teilnehmern den Wald näher bringen. Das funktioniert bestens, denn Wolf informiert und erklärt so wunderbar, dass das Interesse der Teilnehmer spürbar auf hohem Niveau bleibt.

Urlaub im Wald boomt

Dass Urlaub in der Natur gesund ist, ist keine neue Erkenntnis. Aber derzeit erlebt der Umwelttourismus einen Höhenflug. Jedenfalls steigt die Nachfrage nach Gesundheits-Produkten beziehungsweise -Angeboten mit Integration des Waldes laut Waldness-Mitinitiator Hermann Hüthmayr, Hüttenwirt des Hochberghauses in Grünau, in Europa enorm an. Der Trend, der aus Japan kommt („Shinrin Yoku“ bedeutet übersetzt Waldbaden), das Besinnen auf die natürliche Heilkraft des Waldes, wird vielen Menschen hierzulande gerade wieder sehr bewusst. Bei Waldness – übrigens eine europaweit eingetragene Marke – handle es sich um die konsequente touristische Umsetzung aller derzeit vorliegenden Konzepte, Studien und Ideen. Es wird dabei nicht nur „im Wald spazieren“ gegangen, wie viele meinen, sondern mit Experten bewusst die Heilkraft des Waldes (wieder)entdeckt. Ein Waldcoach werde künftig mit den Gästen – nicht nur bei Sonnenschein, sondern vor allem auch vor, bei und nach einem Regen – dies bewusst machen, wie Hüthmayr erklärt. Die Gegend rund um den malerischen Almsee bietet sich dafür auch perfekt an. Schließlich ist Grünau die waldreichste Gemeinde Oberösterreichs. Jährlich werden in der 230 Quadratkilometer großen Gemeinde, in der gut 2000 Menschen leben, mehr als 120.000 Bäume gepflanzt. Und das natürlich nachhaltig, wie Hüthmayr und Wolf versichern. Auch die nächsten Generationen werden im Almtal diese herrlichen Wälder, in denen Fichten, Tannen, Eichen, Buchen, Eschen und viele andere Baumarten stehen, erleben. Dieser Umstand mache daher das südliche Almtal zur perfekten Location für einen Waldurlaub.

Yoga auf Kelten-Art

Auf dem Programm von Waldness steht aber nicht nur ein Besuch in der Waldschule von Fritz Wolf. Spannend und entspannend gleichzeitig ist die Wyda-Lektion mit Thomas Kamitz, der ebenfalls zum Waldness-Team gehört. Bei Wyda handelt es sich um das Yoga der Kelten. Dieses bringt Energie, Beweglichkeit und innere Zentriertheit. Die Bewegungsübungen und -meditation gehen dabei auf die Druiden, die geistige Elite der Kelten, zurück. Laut Kamitz schult Wyda Wahrnehmung und Konzentration, löst Blockaden und harmonisiert den Energiefluss. Noch intensiver werden naturgemäß die Übungen im Wald. Und darüber hinaus? „Wir wollen, dass die Waldness-Touristen gestärkt aus dem Urlaub zurückfahren. Es haben ja zahlreiche Studien die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes belegt. Und auch, dass der Wald Burn-out vorbeugt“, so Hüthmayr. Der Mehrwert von Waldness liege im breit gefächerten Angebot – Waldsauna, Waldkosmetik, Waldbaden, Waldkneippen – unter professioneller Anleitung.

Wald-Gesundheitszentrum

Elf Betriebe aus Grünau und Scharnstein haben sich zur ersten Waldness-Kooperation zusammengeschlossen: vom Romantikhotel über Chalets bis hin zu Urlaub am Bauernhof und Privatpensionen. Als Vision schweben den „Erfindern“ von Waldness Lodges vor, in denen die Gäste wohnen. Höhepunkt der Ausbaustufe soll schließlich die Etablierung eines „Waldness-Spa“ sein. Ein Gesundheitszentrum mitten im Wald. „Da stehen wir aber noch am Beginn des Weges“, weiß Hüthmayr. Das Ganze hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Nicht nur sollen so mehr Touristen ins Almtal kommen, bei der Entwicklung des Waldness-Angebots zeigen sich auch die ansässigen Betriebe – wie beispielsweise Grüne Erde aus Scharnstein – interessiert, mitzuwirken.

Jetzt beginnt das Vorspiel

Ein Waldness-Angebot ist nun ganz aktuell bereits auf dem Markt: „Waldness.Das.Vorspiel“ heißt das ab 10. September sechs Wochen lang buchbare Paket. Es ist ab 358 Euro für vier Nächte/fünf Tage nutzbar und enthält: Frühstück in der gewählten Unterkunft, Waldspaziergang und Wald-Wyda im Schindlbach mit Coach, einen Besuch in der Waldschule von Fritz Wolf inkusive Waldkochen, Tauwanderung und Sonnenaufgangsfrühstück im Baumhaus mit Coach, Waldmassage, Latschenbad, Jodeln und Gipfeltreffen mit Coach, Waldkneippen in Schindlbach sowie Waldjause mit Schmankerln heimischer Direktvermarkter.

Infos auf http://waldness.almtal.at
Der Verfasser nahm auf Einladung von Waldness an der Pressereise teil.