Iran fordert von Großbritannien Freigabe von Tanker

Der Iran hat Großbritannien im Streit um einen in Gibraltar festgesetzten Supertanker eindringlich gewarnt. “Falls die Briten sich von den USA beeinflussen und auf gefährliche Spielchen einlassen wollen, raten wir ihnen, dies lieber nicht zu tun”, sagte Außenamtssprecher Abbas Mousavi am Freitag. Er bestritt, dass der Tanker “Grace” auf dem Weg nach Syrien war, das mit Sanktionen belegt wurde.

Nach der Festnahme des Kapitäns und Ersten Offiziers des Tankers am Donnerstag habe das iranische Außenministeriums zum vierten Mal binnen einer Woche den britischen Botschafter in Teheran einbestellt, so der Sprecher.

Mousavi bestritt, dass Syrien das Ziel gewesen sei. Der Tanker “Grace 1” ist nach seinen Worten zu groß, um in syrische Häfen einzulaufen. Wohin der Tanker stattdessen fahren sollte, sagte Mousavi nicht.

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den Supertanker in der vergangenen Woche vor Gibraltar festgesetzt. Der Kapitän und der Erste Offizier des “Grace 1” stehen unter Verdacht, mit Öllieferungen an Syrien gegen EU-Sanktionen verstoßen zu haben. Sie werden nun von der Polizei im britischen Überseegebiet befragt. Am Freitag wurden zwei weitere Mitglieder Crew in Gewahrsam genommen. Alle vier Männer sollen Inder sein.

Der Oberste Gerichtshof in Gibraltar hat angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf. Am Freitag wurden noch zwei weitere Offiziere des Supertankers festgenommen.

“Die Briten sollten den Tanker umgehend wieder auslaufen lassen (…) Das wäre für beide Seiten auch am besten”, sagte Mousavi der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Am Donnerstag löste zudem ein Zwischenfall mit einem britischen Tanker in der Straße von Hormuz Spekulationen über eine mögliche Vergeltungsaktion Irans aus. Britischen Angaben zufolge hatten dort drei iranische Boote versucht, ein britisches Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Eine Fregatte der Royal Navy zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt jedoch, in den Vorfall verwickelt zu sein.

Als Reaktion gab London für britische Handelsschiffe in der Region die höchste Warnstufe aus. Der Nachrichtenagentur PA zufolge sind ständig zwischen 15 und 30 Handelsschiffe unter britischer Flagge dort unterwegs. Schneller als ursprünglich geplant soll zudem nun die derzeit im Persischen Golf stationierte Fregatte “Montrose” durch den Zerstörer “Duncan” ersetzt werden.

Außenminister Jeremy Hunt, der sich für die Nachfolge von Premierministerin Theresa May bewirbt, kündigte am Freitag eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets an, sollte er Ende des Monats zum neuen Regierungschef gewählt werden. Dabei solle auch die Royal Navy mit mehr Mitteln bedacht werden.

Die Europäische Union wird sich vorerst nicht an der von den USA geplanten Koalition zum Schutz von Handelsschiffen im Persischen Golf beteiligen. Die USA seien nicht an die EU herangetreten, sagte eine ranghohe EU-Beamtin am Freitag in Brüssel. Mitgliedstaaten müssten einzeln über eine mögliche Teilnahme entscheiden.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Sie sehen vor, Militäreskorten für zivile Schiffe zu organisieren.

Die Straße von Hormuz verbindet die ölreiche Golfregion mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Sie ist eine der wichtigsten Seestraßen. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff.

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