Iranischer Präsident wirft Israel Mord an Wissenschafter vor

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat den USA und Israel vorgeworfen, hinter der Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fakhrizadeh zu stehen. „Erneut sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschafters“, sagte Rouhani am Samstag im Staatsfernsehen. Fakhrizadeh war am Freitag in seinem Auto angeschossen und so schwer verletzt worden, dass er kurz darauf in einem Krankenhaus starb.

Der „Terroranschlag“ zeige nur die Angst der Feinde Teherans vor dem technologischen Fortschritt der Islamischen Republik. Der Mord werde das Land jedoch nicht davon abhalten, den Weg Fakhrizadehs noch konsequenter fortzusetzen, sagte der Präsident.

Fakhrizadeh war am Freitag in Absard, einem östlichen Vorort der Hauptstadt Teheran, in seinem Auto angeschossen worden, er starb kurz darauf in einem Krankenhaus. Das Verteidigungsministerium in Teheran sprach von einem „Märtyrertod“. Der Kernphysiker war Mitglied der Revolutionsgarden und Experte für die Herstellung von Raketen. Zuletzt leitete er die Forschungsabteilung im Verteidigungsministerium.

Die „New York Times“ (Samstag, online) berichtete, ein US-Vertreter und zwei Geheimdienstmitarbeiter hätten erklärt, dass Israel hinter dem Attentat stehe. Es sei unklar, ob die US-Regierung vorher informiert gewesen sei, doch die beiden Staaten seien engste Verbündete. In US-Medien gab es Berichte, wonach ein US-Marineverband in den Persischen Golf verlegt worden sei, was mit dem Truppenteilabzug aus Afghanistan begründet wurde.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres mahnte nach dem Anschlag zur Mäßigung. „Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten“, sagte ein UNO-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Freitag (Ortszeit) in New York.

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Der iranische UNO-Botschafter Majid Takht erinnerte in einem Schreiben an Guterres daran, dass in den vergangenen Jahren mehrere iranische Wissenschafter bei Anschlägen getötet worden seien. Die Ermordung Fakhrizadehs sei ein weiterer Versuch, die Region ins Chaos zu stürzen und die wissenschaftliche Entwicklung des Iran zu stören. Im Sommer hatte zudem eine Brand- und Explosionsserie Infrastruktur- und Atomanlagen im Iran beschädigt. Auch damals wurde über Israel als Urheber spekuliert, zumal Israel immer wieder auch iranische Militäreinrichtungen in Syrien angreift.

Der Geheimdienst und die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) ermitteln wegen des Attentats. Für die iranische Führung ist klar, dass Israel hinter dem Anschlag steckt, weil Fakhrizadeh schon seit Jahren auf der schwarzen Liste Israels gestanden sei. Außerdem profitiere nur der Erzfeind Israel vom Tod des Atomphysikers.

Beobachter aus Teheran sahen in dem Anschlag auch einen Versuch Israels und der Regierung von US-Präsident Donald Trump, einen Neuanfang der Beziehungen zwischen Teheran und Washington zu torpedieren. „Das war nicht nur ein Anschlag auf den Professor, sondern auf die bevorstehenden diplomatischen Bemühungen beider Länder nach der Amtsübernahme von Joe Biden“, twitterte etwa der Teheraner Politologe Mohsen Milani. Ähnlich sieht es die prominente iranische Journalistin Sahra Asghari. „Der Anschlag war der Preis, den der Iran für Trumps Wahlniederlage bezahlen musste.“ Die US-Regierung, Bidens Team und Israel äußerten sich zunächst nicht zu der Mordtat.

Der iranische Atomchef Ali Akbar Salehi versicherte am Samstag, Fakhrizadehs Ermordung werde den Fortschritt des iranischen zivilen Atomprogramms weder aufhalten noch beeinträchtigen. Fakhrizadehs Weg werde nur noch intensiver fortgesetzt. Israel unterstellt dem Iran, neben dem zivilen Atomprogramm heimlich Atomwaffen zu entwickeln, was seine Existenz bedrohe.

Trump hatte ein internationales Abkommen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll, 2018 aufgekündigt und versucht seitdem, dem Iran mit harten Sanktionen gegen Schlüsselindustrien wirtschaftlich erheblich zu schaden. Seit Ablauf einer Frist von einem Jahr, in der Teheran die Vertragspartner vergeblich zur Einhaltung des Wiener Atomdeals drängte, steigt der Iran ebenfalls progressiv aus dem Abkommen aus. Dabei hoffte der Iran bisher, dass die USA unter Biden zur Vereinbarung zurückkehren. Die sunnitisch-arabischen Monarchien am Persischen Golf drängen Biden jedoch, sich vor einem solchen Schritt mit ihnen abzustimmen und auch die iranische konventionelle Rüstung in eine Vereinbarung einzubeziehen.

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