IS bekennt sich zu Massenmord auf Sri Lanka

Regierung in Colombo vermutet Rache für Christchurch-Massaker als Tatmotiv — Schon mehr als 310 Tote

In Colombo wurden gestern viele Opfer des Oster-Terrrors zu Grabe getragen.
In Colombo wurden gestern viele Opfer des Oster-Terrrors zu Grabe getragen. © AFP/Samad

Zwei Tage nach der Anschlagserie gegen Kirchen und Luxushotels auf Sri Laknka hat gestern die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Massenmord für sich reklamiert. „Diejenigen, die den Angriff ausgeübt haben, der vorgestern Mitglieder der US-geführten Koalition und Christen in Sri Lanka zum Ziel hatte, sind Kämpfer des Islamischen Staates“, hieß es in einer vom IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq veröffentlichten Mitteilung.

In einem im Internet kursierenden Video wurde ein Foto des mutmaßlichen Anführers der sieben Selbstmordattentäter, Moulvi Zahran Hashim, beim Treuschwur für den IS mit der Kalaschnikow in der Hand gezeigt.

Die Terrorserie vom Ostersonntag war nach Erkenntnissen der Regierung in Colombo als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament des Inselstaates.

Weiter akute Terrorgefahr

Ein weiterer Anschlag auf ein viertes Hotel in Sri Lanka war am Sonntag laut Ermittlerkreisen geplant, scheiterte aber. Die Gefahr ist zudem noch nicht gebannt: Nach Angaben von Premierminister Ranil Wickremesinghe seien noch einige Verdächtige auf der Flucht. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff. 42 Verdächtige wurden bisher festgenommen, darunter auch ein syrischer Staatsbürger.

45 Kinder getötet

Bei den Anschlägen sind laut UNO-Kinderhilfswerk (Unicef) auch 45 Kinder ums Leben gekommen. Das jüngste Opfer sei 18 Monate alt gewesen. Die Zahl der Toten stieg bis gestern auf insgesamt mehr als 321 — darunter 37 Ausländer. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. Österreicher dürften nach bisherigen Informationen nicht unter den Opfern sein.

IGGÖ verurteilt Terror

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich verurteilte die Anschläge scharf: „Ob Christchurch oder Sri Lanka: Wer wehrlose Gläubige ermordet, ist nur eines und zwar diabolisch“, so IGGÖ-Chef Ümit Vural. Auf der IGGÖ-Webseite stand gestern die Koransure 5, Vers 32: „Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es als habe er die ganze Menschheit getötet! Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet!“

Gratisstorno

Österreicher können gebuchte Urlaube auf Sri Lanka kostenlos stornieren. Den Warnungen des Außenministeriums, nicht notwendige Reisen auf die Insel im Indischen Ozean zu unterlassen, schließe man sich an, so das Österreichische Verkehrsbüro gestern. Es werde ein Gratis-Storno angeboten. Sri Lanka spiele als Destination für Österreicher eine sehr untergeordnete Rolle – absolut nicht vergleichbar mit den Seychellen, den Malediven und Thailand, so die Reiseveranstalter Verkehrsbüro und TUI.

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