Islamophob? Integrationsfonds weist Vorwurf zurück

Türkischer Herausgeber des EU-finanzierten Islamophobie-Reports unterstellt Juncker „Trunkenheit“

Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) weist Vorwürfe zurück, die im umstrittenen „Europäischen Islamophobie-Report“ erhoben werden. In dem, wie am Montag berichtet, vom Erdogan-nahen türkischen SETA-Institut veröffentlichten Bericht heißt es, der staatliche ÖIF gebe bei seinen Veranstaltungen „Menschen mit anti-muslimischen Ansichten die Möglichkeit, ihre Positionen zu verbreiten“.

Genannt werden unter anderen die Politologin Nina Scholz und die liberale Berliner Imamin Seyran Ates. Scholz habe, so der Report, in einer ÖIF-Podiumsdiskussion gesagt, Frauen die den Hijab (Kopftuch) trügen, würden sich als Feministinnen positionieren, aber „größtenteils in enger Beziehung zu konservativen islamischen Vereinigungen und der Muslimbruderschaft stehen“. Diese Kritik wird von den Herausgebern des Reports, dem Politologen Farid Hafez von der Uni Salzburg und Enes Bayrakli von SETA offenbar als islamophob eingestuft.

ÖIF-Sprecherin Aleksandra Klepic weist den Vorwurf gegenüber dem VOLKSBLATT zurück. Der ÖIF sei „um thematisch breit angelegte und fundierte Diskussionen zu aktuellen Herausforderungen im Integrationsbereich bemüht“.

Enes Bayrakli, Co-Herausgeber des EU-finanzierten Islamophobie-Reports, unterstellt EU-Kommissionspräsident Juncker in einem Tweet „Trunkenheit“.
Enes Bayrakli, Co-Herausgeber des EU-finanzierten Islamophobie-Reports, unterstellt EU-Kommissionspräsident Juncker in einem Tweet „Trunkenheit“. © Screenshot: Twitter

Sie verweist auf renommierte Soziologen und Islamwissenschaftler wie Mouhanad Khorchide, die bei ÖIF-Podiumsgesprächen davor gewarnt hätten, „Kritik am politischen Islam pauschal als Islamophobie abzutun“.

Der umstrittene Report, der auch liberale Muslime wie die Berliner Imamin Seyran Ates der Islamophobie bezichtigt, wurde von der EU finanziert. Das hinderte den Co-Herausgeber Bayrakli übrigens nicht daran, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf Twitter „Trunkenheit“ zu unterstellen, weil dieser die türkische Militäroffensive in Nordsyrien kritisiert hatte. Die SETA-Spitze vertritt vorbehaltlos die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan, was die für EU-Kommissikon offenbar kein Grund war, diese „Denkfabrik“ von den Geldtöpfen der EU fernzuhalten.

Von Manfred Maurer

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