Isolde Wabra: „Ein Drama hinter den Kulissen“

Als „Bühnenheldin“ ausgezeichnet: Die gebürtige Linzerin Isolde Wabra leitet Theater in Krefeld ISOLDE WABRA

Isolde Wabra
Isolde Wabra © Wabra

Gestern Mittag wurde Isolde Wabra als „Bühnenheldin 2020“ ausgezeichnet. Die gebürtige Linzerin, die an der Bruckner-Universität ausgebildet wurde und seit Jahren in Deutschland tätig ist, konnte dabei in der Kategorie „Spiel mir nicht das Lied vom Theatertod: Die Leitung eines Stadttheaters/einer Produktionsstätte“ überzeugen.

Das „Aktionsbündnis Darstellende Künste“ hat den Preis heuer im Corona-Jahr ins Leben gerufen, um in dieser schwierigen Zeit auch „Danke“ und „Hut ab“ zu sagen. Und man wolle das Jahr mit positiven Meldungen abschließen und nach Sorge und Verzweiflung auch einen Moment zum Jubeln bieten.

VOLKSBLATT: In Österreich ist das kulturelle Leben auf Zwangspause gesetzt. Wie schaut es in Deutschland aus?

WABRA: Glücklicherweise durften wir immer noch proben, als der zweite Light-Lockdown kam und wir haben natürlich auf den Dezember hingearbeitet, wie alle anderen Theater auch. Aber auch bei uns bleibt der Vorhang geschlossen — ein Drama hinter den Kulissen!

Gerade die Bühnen trifft Corona mit voller Wucht. Was kann man dagegenhalten?

Von all dem „Digitalaktionismus“ halte ich nicht viel, es hat sehr wenig mit dem zu tun, was Theater im Innersten ausmacht. Natürlich ging es viel mehr darum, Lebenszeichen zu setzen und ich sehe durchaus auch eine große Gefahr, die aus der Schließung von Kulturräumen resultiert, wenn sie trotz der hohen Sicherheitsauflagen mit Angst besetzt und geschlossen werden. Viele Theater haben schon vor Corona um ihr Publikum gerungen und es wird sich zeigen, wer diese Maßnahmen überlebt.

Mit 1. Dezember plant das Kresch-Theater schon die erste „Post-Corona-Premiere“. Wie kann man trotz Sicherheitsvorkehrungen proben und welche Sicherheitsvorkehrungen haben die Zuschauer zu erwarten?

Ja, wir haben ganz kreative Lösungen auf den Weg gebracht, wir haben Schauspielerpaare besetzt, ein Team in einer WG untergebracht und sind verstärkt mobil in den Schulen unterwegs gewesen. Jetzt arbeiten wir auf den Januar hin und haben unser mobiles Angebot für Schulen und Kitas maximiert. Vom Land NRW fordern wir Theatergutscheine für Schulen und wollen damit den Schulen mehr als nur einen Theaterbesuch im Jahr ermöglichen.

Ihr Theater ist spezialisiert auf Kinder und Jugendliche, gerade für diese Gruppe kann die Corona-Isolation sehr belastend sein. Wie kann Theater hier helfen?

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Die Schule wird sich revolutionieren und die Theater werden sich rehabilitieren müssen. Eine intensive Zusammenarbeit, die über das Spielen hinausgeht, kann eine große Bereicherung sein. Schultage in den Kultureinrichtungen und Künstler in den Schulen können veraltete Strukturen aufbrechen.

Das Virus reißt überall auch große Löcher in die Budgets. Rechnen Sie mit einem Bühnensterben in Deutschland?

Die Künstler wollen keine Almosen und irgendwann reichen auch die Fördergelder nicht mehr aus. Ja, ich rechne damit, aber da gibt es eben auch die Geschichte mit dem Frosch, der in der Milch so lange strampelt bis sie zu Butter wird und er nicht ertrinkt. Als ich vor 25 Jahren in den Beruf eingestiegen bin, war das Deutsche Bühnenjahrbuch dreimal so dick. Also das Sterben hat schon vor Corona begonnen. Wir müssen aufhören zu jammern und uns darauf besinnen, dass die einfachen Bretter die Welt bedeuten. Die wahren Künstler kreisen nicht um sich selbst, sie haben einen Auftrag zu erfüllen. Natürlich haben wir alle ein großes Bedürfnis nach Sicherheit, aber Sicherheit ist kein kreativer Motor.

Reichen die staatlichen Unterstützungen?

Das kann ich nicht einschätzen.

Wie wird es mit dem Kresch-Theater weitergehen?

Wir haben trotz der Coronakrise eine hohe Nachfrage und ein sehr treues Publikum. Dank des großen Stellenwertes, den das Theater für die Stadt Krefeld hat, müssen wir nicht ums Überleben kämpfen. Das sehe ich als großes Privileg, auf dem wir uns nicht ausruhen werden.

Die Fragen an ISOLDE WABRA stellte Herbert Schicho

Zur Person

Isolde Wabra leitet seit Mai 2019 das Kresch-Theater. Die gebürtige Linzerin maturierte am Stiftergymnasium und absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Anton Bruckner Universität Linz. Theaterengagements führten sie als Schauspielerin an das Staatstheater Karlsruhe, an das Stadttheater Bremerhaven, ans „neues theater“ Halle, nach Berlin und zu den Salzburger Festspielen. Darüber hinaus führte Isolde Wabra am „neues theater“ Halle erstmals Regie, inszenierte in Linz, Berlin, Neustrelitz, Neubrandenburg und stand selbst vor und als Regisseurin hinter der Kamera. Das Kreschtheater wurde 1991 als kommunales Kinder- und Jugendtheater der Stadt Krefeld gegründet.

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