Israel griff Gazastreifen an – Extremisten-Führer getötet

Eine verletzte Palästinenserin wird weggebracht © APA/AFP/MOHAMMED ABED

Israelische Streitkräfte haben bei Luftangriffen auf den Gazastreifen den Militärchef der extremistischen Palästinenserorganisation Islamischer Jihad (PIJ) getötet. Tayseer al-Jaabari sei bei dem Angriff gestorben, teilte die PIJ am Freitag mit. Das israelische Militär bestätige den Tod des hochrangigen Kommandanten. Demnach war Jaabari verantwortlich für zahlreiche Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und geplante Angriffe auf Zivilisten.

In der Folge feuerten Palästinenser nach eigenen Angaben mehr als 100 Raketen auf israelische Städte ab. Der israelische Rettungsdienst erklärte, ihm lägen gebe keine Berichte über Verletzte vor. Der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz genehmigte wiederum die Mobilisierung von 25.000 Reservisten. Das bestätigte sein Büro am Freitagabend. Die Entscheidung ist dem Militär zufolge nach Beurteilung der Sicherheitslage gefallen.

Der Islamische Jihad wird auch von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Vor der Tötung Jaabaris hatte das israelische Militär nach Drohungen des Islamischen Jihads mehrere Ziele in dem Küstenstreifen angegriffen. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei mindestens zehn Menschen, nach Angaben der israelischen Armee rund 15 ums Leben, darunter ein fünfjähriges Kind. Mindestens 55 Menschen seien verletzt worden, so das palästinensische Gesundheitsministeriums. Ein Sprecher der Palästinenser-Organisation Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, kündigte Vergeltung an: „Die Besatzung (die Bezeichnung der Hamas für Israel) hat die roten Linien überschritten.“

2019 hatte Israel bereits den Vorgänger von Jaabari, Jihad-Militärchef Baha Abu al-Ata, gezielt getötet. Darauf folgten damals massive Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf israelische Orte und Gegenangriffe der israelischen Luftwaffe in dem Küstenstreifen. Nach einigen Tagen konnte mit Hilfe von Unterhändlern Ägyptens und der Vereinten Nationen eine Waffenruhe vereinbart werden.

Nach Angaben der israelischen Armee sind bei dem Luftangriff außer Jaabari zehn weitere Jihad-Mitglieder ins Visier genommen worden. Sie sollen einen Angriff gegen Israel vorbereitet haben. Auch Militärbasen und Gebäude der PIJ wurden demnach im Gazastreifen angegriffen. Für die israelischen Gebiete rund um den Gazastreifen wurde am Freitag eine erhöhte Sicherheitsstufe ausgerufen.

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Israels Ministerpräsident Jair Lapid teilte mit: „Die israelische Regierung wird es Terrororganisationen nicht erlauben, die Agenda in den Ortschaften am Rande des Gazastreifens zu bestimmen und israelische Bürger zu bedrohen. Wer Israel angreifen will, muss wissen, dass wir zu ihm gelangen werden.“ Im Fernsehen sprach Lapid von einer „Anti-Terror-Operation“ gegen „eine unmittelbare Bedrohung“.

Am Montag war bei einem israelischen Anti-Terror-Einsatz der Anführer des Islamischen Jihads im Westjordanland, Bassam Saadi, festgenommen worden. Der militärische Arm der Organisation, die Al-Quds-Brigaden, drohte daraufhin mit Angriffen. Der Jihad ist eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden und verübt aus dem Gazastreifen regelmäßig Raketenangriffe auf Israel. Das israelische Militär sperrte über mehrere Tage hinweg Gebiete am Rande des Küstenstreifens ab und erhöhte die Alarmbereitschaft.

Im Gazastreifen leben rund zwei Millionen Einwohner unter sehr schlechten Bedingungen. Die Hamas, die die EU ebenfalls als Terrororganisation einstuft, hatte 2007 gewaltsam die Macht an sich gerissen. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Gebiets, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Staaten begründen die Maßnahme mit Sicherheitsinteressen.

In der Vergangenheit hatte Israel immer wieder politische und militärische Führer der Hamas gezielt getötet. Der spirituelle Führer Ahmed Yassin, der an einen Rollstuhl gefesselt war, kam 2004 bei einem Luftangriff Israels ums Leben. Später tötete Israel auch dessen Nachfolger Abdel Aziz al-Rantisi und 2012 den Hamas-Militärchef Ahmed al-Jabari.

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