Ski-Lockdown: Italienische Regionen fordern Kompromisslösung

Die sechs oberitalienischen Regionen haben der Regierung in Rom einen Kompromissvorschlag unterbreitet, um ein komplettes Skiverbot während der Weihnachtszeit in Italien abzuwenden. Der Vorschlag von Piemont, Venetien, Aostatal, Lombardei, Friaul Julisch Venetien und Trentino Südtirol sieht die Skipisten-Öffnung über die Weihnachtsfeiertage nur für Gäste von Hotels und Ferienwohnungen vor. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel appellierte für einen „Saisonstart ohne Verzögerung“.

Lediglich wer mindestens eine Nacht in Hotels in den Berg-Ortschaften verbringt, oder dort eine Ferienwohnung besitzt, oder mietet, soll Zugang zu den Skipisten erhalten, heißt es in einem Schreiben der Beauftragten für Bergtourismus der sechs norditalienischen Regionen an die Regierung Conte. Zugleich forderten die Regionen Reisefreiheit über die Weihnachtsfeiertage für Touristen, die einen Urlaub in Berggebieten gebucht haben.

„Wir fordern eine Kompromisslösung, um eine komplette Schließung der Berggemeinden zu verhindern. Auf dem Spiel steht das Überleben der Berggebieten, ihrer Arbeitnehmer und einer Wirtschaftsbranche, die 20 Milliarden Euro Umsatz generiert“, hieß es im Schreiben.

Der ehemalige EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, Spitzenpolitiker der oppositionellen Forza Italia, urgierte einen gesamteuropäischen Beschluss in Sachen Winterurlaub. „Das Problem des Skitourismus ist nicht eine italienische, sondern eine europäische Angelegenheit. Entweder alle Skipisten sind offen, oder alle sind geschlossen. Das Coronavirus kennt keine Grenzen“, so Tajani.

Italiens Gesundheitsratspräsident hoffte auf geschlossene Skigebiete bis Jahresende und forderte ansonsten eine Quarantäne für Reiserückkehrer aus dem Ausland. „Wenn das nicht so wäre, würde ich sagen, dass es vernünftig ist, eine Isolationszeit für Rückkehrer zum Schutz der Allgemeinheit vorzusehen“, so Franco Locatelli laut „La Stampa“.

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Österreich sei Teil der EU und er nannte es überraschend, dass Wien den Vorschlag der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der italienischen Regierung nicht akzeptiere, die Betriebe zum Infektionsschutz geschlossen zu halten. Die Entscheidung der Schweiz, die Skigebiete offen zu halten, sei ebenfalls enttäuschend, fügte Locatelli an. Er und andere Wissenschafter beraten das Gesundheitsministerium und erstellen die Corona-Lageberichte.

Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes und Unternehmer Peter Schröcksnadel hat sich in einem offenen Brief an die Regierung gewandt und appellierte für einen „Saisonstart ohne Verzögerung“. Er positionierte sich klar gegen eine länderübergreifende Schließung aller Skigebiete bis Mitte Jänner, wie wegen der Corona-Pandemie seit einigen Tagen von mehreren Ländern in Europa, darunter auch Deutschland, gefordert.

Zwar stehe außer Frage, dass gesundheitspolitische Aspekte derzeit Priorität haben. Die Kampagne gegen den Wintersport, die von einigen politischen Entscheidungsträgern in Europa geführt werde, betrachte man aber mit wachsender Sorge, hießt es in dem gemeinsamen Brief von Schröcksnadel und Richard Walter, dem Präsidenten des Österreichischen Skischulverbandes.

Sie sei eine „hilflose Ersatzhandlung“ und berge den impliziten Vorwurf, dass Länder, die ihre Skigebiete aufsperren wollten, verantwortungslos seien. Dabei würden sich die Betriebe in Österreich seit Wochen mit Hygienekonzepte, Platzbeschränkungen, Leitsystemen, Belüftungssystemen, und Testkapazitäten auf eine sichere Wintersaison vorbereiten.

Der Regierung stärkten Schröcksnadel und Walter dagegen den Rücken: „Umso mehr schätzen wir es, dass die Österreichische Bundesregierung diesem Druck aus Rom, Paris und Berlin/München standhält und klarstellt, dass diese Entscheidung eine souverän österreichische ist.“ Gleichzeitig richteten Schröcksnadel und Walter einen Appell an die Regierung, sich „weiterhin für den Wintersport einzusetzen und sicherzustellen, dass der Saisonstart ohne Verzögerung möglich ist.“

Österreichs Seilbahnen verfassten einen „Hilfeschrei“ in Form eines Briefes an die Regierungen der Alpenländer sowie an die EU-Kommission. Zudem startete die Fachvertretung der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer eine Online-Petition für einen „fairen Umgang mit dem alpinen Wintersport und eine maßvolle Öffnung der Seilbahnanlagen“, wie es in einer Aussendung hieß.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte an, dass Bayern stichprobenartig aus Österreich zurückkehrende Skifahrer überprüfen wird. Hintergrund ist der Plan, dass Personen, die im Ausland Ski fahren, künftig nach der Rückkehr 14 Tage in Quarantäne müssen. Es dürfe kein zweites Ischgl geben, sagt der CSU-Politiker in der ARD in Anspielung auf den Tiroler Skiort, der Anfang des Jahres als Corona-Hotspot galt.

Seit Tagen streiten die Alpenländer in Europa über eine Schließung der Wintersportbetriebe, um einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus etwa durch Urlauber vorzubeugen. Während sich Deutschland und Italien für eine Öffnung erst nach Neujahr stark machen, wollen Österreich und die Schweiz, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, ihre Skigebiete gar nicht schließen.

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