Italiens Hoffnungsträgerin Goggia fällt für Heim-WM aus

Spät am Sonntagabend wurden die Sorgen um Sofia Goggia Gewissheit. Die italienische Seriensiegerin fällt für die anstehenden alpinen Ski-Weltmeisterschaften in ihrem Heimatland aus. Die Azzurri haben eine Medaillenbank verloren, die Organisatoren von Cortina d’Ampezzo ihr großes Aushängeschild. Bitter ist der Ausfall vor allem in persönlicher Hinsicht. Die verwegen abfahrende Goggia blickte in Topform besonderen Titelkämpfen entgegen.

Es hätte die WM der Sofia Goggia werden können, doch daraus wird nichts. Nach der wetterbedingten Verschiebung des Super-G stürzte die 28-Jährige bei der Fahrt vom Startbereich zurück ins Tal fatal. Ihr Ski soll sich im Nebel bei einer weichen Stelle im Schnee vergraben haben, sie überschlug sich vor den Augen von Petra Vlhova bei niedrigem Tempo, die Bindung des Renngeräts ging nicht auf. Die Diagnose: Fraktur des seitlichen Schienbeinkopfes im rechten Kniegelenk. Eine Operation ist laut Verbandsangaben nicht notwendig, sie soll mit Physiotherapie wiederhergestellt werden. Gewiss ist: Die Gewinnerin von vier der fünf Saison-Abfahrten wird wochenlang ausfallen. Wieder einmal.

Vor einem Jahr, ebenfalls in Garmisch-Partenkirchen, brach sich Goggia bei einem Sturz im Super-G den Unterarm. 2018/19 fehlte sie dem Weltcup zunächst nach einem Knöchelbruch in der Vorbereitung, nach dem Jahreswechsel holte sie bei der WM in Aare Super-G-Silber. Die Olympischen Spiele in Sotschi 2014 verpasste Goggia wegen eines ihrer insgesamt drei Kreuzbandrisse. Vier Jahre später wurde Vertagtes mit Gold in der Olympia-Abfahrt von Pyeongchang nachgeholt. Wäre die aus Bergamo stammende Draufgängerin nicht so oft verletzt, stünden gewiss mehr als elf Weltcupsiege in ihrer Vita. Weltmeisterin war sie noch nie.

Das Schicksal meinte es auch 2021 nicht gut mit ihr. Dabei hatte die Politikwissenschaft-Studentin noch vor wenigen Tagen als WM-Botschafterin mit Cortina als Platz der besonderen Erinnerungen geworben. „Cortina ist aus vielen Gründen ein Ort des Herzens, es ist der Ort, an dem ich Lindsey Vonn nach dem ersten gemeinsamen Foto gefragt habe und wo ich mein erstes Rotes Abfahrtstrikot vor ihren Augen gewonnen habe.“ Das morgendliche Bild einer in Orange getauchten Tofana war für sie „pure Poesie“. „Ich hoffe, es ist die Kulisse für eine großartige Weltmeisterschaft.“

Nun also der herbe Rückschlag, der die Gastgeber-Nation, vor allem aber das italienische Team schockiert hat. „Da bricht eine Welt zusammen“, sagte Cheftrainer Michael Mair im ORF. „Es ist für die ganze Mannschaft schlimm.“ Auch er sprach von einem Schock, hatte zunächst aber sogar Schlimmeres – etwa eine Kreuzbandverletzung – befürchtet. „Wir hoffen, dass sie bald zurückkommt.“ Die beste Unterstützung „für Sofi“ seien gute Leistungen, sagte Mair und hoffte auf ein „Zähne zeigen“ der Verbliebenen beim Super-G-Nachtrag am Montag. Das taten seine Läuferinnen auch. Zwar reichte es für keinen Spitzenplatz, doch angeführt von Federica Brignone (7.) landeten gleich fünf Italienerinnen in den Top 15.

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Ihre zweite Abfahrts-Kugel nach 2017/18 könnte Goggia nun als Zuschauerin gewinnen. Mit 480 Punkten führt sie im Disziplinen-Weltcup 195 Zähler vor der US-Amerikanerin Breezy Johnson und 210 vor Titelverteidigerin Corinne Suter aus der Schweiz. Es stehen noch drei Rennen aus. Die Ausfallzeit nutzt Goggia anderweitig: Sie lässt sich eine Platte entfernen, die ihr nach dem Unterarmbruch eingesetzt worden ist.

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