Iván Eröd: Die Streichquartette (Gramola)

Das Schaffen des ungarischen Komponisten (Jg. 1936) Iván Eröd wurde geprägt von einem kriegsbedingt zerrissenen Leben. Schon vor seiner Flucht nach Österreich schrieb er 1954 ein zweisätziges Streichquartett, das aber verloren ging. Schon in Wien als Schüler von Karl Schiske entstanden 1957 vier Stücke für Streichquartett, was zwar Beachtung fand, aber es dauerte bis 1970, ehe Eröd einem seiner Werke die Bezeichnung 1. Streichquartett zugestanden hat. Mit den folgenden weiteren zwei (1980, 2004) hat Gramola eine exzellent ausgeführte CD-Aufnahme auf den Markt gebracht. Die Werke nehmen sich aus wie eine Erfolgsbilanz der stilistischen Entwicklung Eröds und sind alle gekennzeichnet von der Treue zu seinem schöpferischen Credo. Nämlich keiner kompromisslosen Avantgarde zu folgen und somit einen leicht verständlichen Zugang zu seiner Musik zu erreichen. Seine größtenteils tonale Sprache ist im Einflussbereich von Béla Bartók oder Brahms angesiedelt, aber in keinem Takt von epigonaler Ausstrahlung. Ein wenig „ungarisch“ sickert immer durch in der temperamentvollen Ballung der Akkorde und versetzt den Hörer in eine faszinierende Stimmung. In einer solchen dürften sich auch die herrlichen Streicher des Accord Quartetts bei der Aufnahme befunden haben: Péter Mezö, Csongor Veér, Péter Kondor und Mátyás Ölveti. G. Sz.

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