Jakob Nolte: Kurzes Buch über Tobias

Von seinem neu gefundenen Glauben macht Allerweltstyp Tobias zunächst nicht viel Aufhebens. Er befürchtete, dass man es als eine seiner wahllosen Spontanbegeisterungen abtun würde, als eine modische Religiosität, die jeden Moment von einem Musikgenre oder japanischen Handwerk abgelöst werden könnte.

Doch wird der Weg seinem bisherigen Leben nach und nach ein Ende setzen. Zuletzt wird er sich als Prediger im Fernsehen und Laienpriester engagieren, während von seinen Hobbys und Beziehungen letztlich nicht viel übrig bleibt.

Zwar konstruiert Jakob Nolte in seinem dritten Roman „Kurzes Buch über Tobias“ keine Heilsgeschichte an sich, wie der Titel suggerieren könnte. Der massive Unterbau religiöser Motive aber zieht sich durch bis zum letzten Kapitel. Manche Episoden bleiben im Vagen und Surrealen, andere fungieren als eine Art Gleichnis. Nolte kommt es zugleich auf einen Fortgang der Hauptfigur an wie auf die poetologische Dekonstruktion des Textes.

„Kurzes Buch über Tobias“ ist ein selbstreferenzieller Roman voller chronologischer Brüche und erzählerischer Andeutungen. Die Kapitel treiben zwischen anekdotischen Passagen, literarischen Reminiszenzen, dialogreichen Szenen, Briefwechseln, lyrischen Einschüben und popkulturellen Chiffren.

Jakob Nolte: „Kurzes Buch über Tobias“, Suhrkamp, 232 Seiten, 22,70 Euro

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