Jammern auf höchstem Niveau

VW schickt sein mächtiges Oberklasse-SUV Touareg in dritter Generation auf die Straße und ins Gelände.

Text & Fotos: Oliver Koch

Nach mehr als einer Million verkauften Exemplaren tritt die dritte Generation des VW Touareg selbstbewusst auf. Das Oberklasse-SUV gibt sich dynamischer denn je. Auch, wenn der Touareg acht Zentimeter länger und vier Zentimeter breiter geworden ist, hat er gut hundert Kilogramm abgespeckt, bringt dennoch knapp 2,3 Tonnen auf die Waage. Die Formen sind klarer, konturierter, die konkav gewölbten Seitenflächen bringen Spannung ins Spiel. Die Frontpartie mit Kameras und Radarsensoren sowie präzise geschliffenem Kühlergrill und LED-Matrixscheinwerfern wirkt mehr technoid als aggressiv.

Unter der Motorhaube befindet sich ein Sechszylinder-Selbstzünder, der auch unter Anstrengung nur knapp über der akustischen Wahrnehmungsgrenze agiert und auch das Abrollverhalten der 20-Zöller fällt angenehm dezent aus. Die dazu gehörende Achtgangautomatik hat für jede Situation den richtigen Gang parat und dank Luftfederung kommt auch der Komfort für die maximal fünf Insassen nicht zu kurz. Mit seinen 231 PS ist der Allradler gerade richtig motorisiert: Die kleine Anfahrtsschwäche überwindet er recht zügig, danach erweist sich das VW-SUV als manierlicher Chauffeur mit guter Übersicht.

Zudem zeigt sich der knapp 4,9 Meter lange Wagen erstaunlich agil und wendig und weist aufgrund der Wankstabilisierung – die gemeinsam mit dem Luftfahrwerk gut 7000 Euro extra kostet – ein sehr gutes Kurvenfahrverhalten auf. Den Touareg kann man übrigens auch halbwegs spritsparend lenken, Voraussetzungen sind die Fahrmodi Komfort oder Eco; dann liegt der Dieselverbrauch bei gut achteinhalb Liter je hundert Kilometer. Ergo: Man kommt mit einer 90-Liter-Tankfüllung gut tausend Kilometer weit. Extralob gebührt auch noch der feinen, sensiblen, direkten Lenkung und den standfesten sowie gut dosierbaren Bremsen. In der Elegance-Ausstattungslinie wohnen dem Touareg auch viele Fahr-Helfer inne: Verkehrsschilderkennung, Toter-Winkel-Warner, adaptiver Tempomat, Stauassistent, Kreuzungsassistent und Rückfahrkamera machen das Fahren mit dem Riesen zur Entspannungsübung – bei kalten Temperaturen umso mehr, wenn die serienmäßige Sitzheizung aktiviert ist.

Auf den ersten Blick ist der Innenraum des Fünfsitzers bombastisch. Das stark auf den Fahrer ausgelegte Cockpit quillt vor Knöpfen, Schaltern, Chrom-Zierrat und mächtigen Displays nahezu über. Allen voran zieht der perfekt eingepasste mittige Touch-Bildschirm mit 23,4 Zentimetern Diagonale die Blicke auf sich. Allerdings weist der Touareg auf den zweiten Blick Nachlässigkeiten in der Innenraumgestaltung auf, die man beim Topmodell eines Herstellers mit Premiumanspruch nicht erwarten würde: seien es die spärlich verlegten Teppiche, seien es die nicht besonders hochwertigen Materialien am Armaturenbrett und an den Türtafeln oder die schlampige Konstruktion des Becherhalters. Minuspunkte, die sich im Gesamtbild des 98.000 Euro teuren SUV negativ niederschlagen. Auf der anderen Seite muss man bedenken, dass der VW-Konzern ja auch den Audi Q7 an den Mann bringen will – und da muss wohl konzernintern eine gewisse Abstufung sein. Auch kann dies schlussendlich als Jammern auf höchstem Niveau abgetan werden, denn die Bedienlogik, Ergonomie und Schnelligkeit der Befehlsannahme sind vom Feinsten und auch die Spracherkennung klappt einwandfrei.
Das VW-Flaggschiff will Firmenwagen, Familienkutsche und Freizeitauto sein und sich als Pamperstransporteur genauso behaupten wie in der Pampa. Beides gelingt ihm, denn der Auftritt im Gelände ist genauso souverän wie das Platzangebot im Fahrgastraum. Und mit 810 Litern Kofferraumvolumen, das sich vom Kofferraum aus auf 1800 Litern erweitern lässt, erfüllt er die Erwartungen – dank elektrischer Heckklappe, niedriger Ladekante und sehr guter Verarbeitung.

Fazit: Ein technologisches Feuerwerk, das sich am besten mit den Begriffen Konnektivität, Individualisierung, Digitalisierung und Komfortsteigerung am besten beschreiben lässt – für das man allerdings tief in die Tasche greifen muss.

Typenschein

VW Touareg Elegance 3.0 V6 SCR 4MOTION

Preis: ab € 71.890,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 98.931,09 unter anderem inklusive Außenlackierung Aquamarinblau Metallic € 1664,55, Ambientepaket € 461,69, Cargo-Paket € 2393,39, Easy Open € 2055,-, Lederpaket „Savona“ € 2581,08 und Luftfahrwerk mit Wankstabilisierung € 7063,72; einen VW Touareg gibt es ab € 66.690,-
NoVA/Steuer: 17 %/ € 1189,44 jährlich
Garantie: 2 Jahre Neuwagengarantie, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 2 Jahre Reparatur-Gewährleistung auf Werkstattarbeit, Originalteile und Originaltauschteile
Service: alle 30.000 km oder jedes Jahr

Technische Daten:
Motor: V6, 24V, Common-Rail, Turbolader, Partikelfilter, 2967 cm³, 170 kW/231 PS bei 3250 U/min, max. Drehmoment 500 Nm bei 1750-3000 U/min
Getriebe: Achtgangautomatik
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 221 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,5 s
Leistungsgewicht: 9,9 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 7,7/5,9/6,6 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 8,6 Liter
CO2-Ausstoß: 173 g/km
NOx: 0,0721 mg/km; Euro 6

Eckdaten:
L/B/H: 4878/1984/1717 mm
Radstand: 2904 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 2284/2850 kg
Kofferraum: 810-1800 Liter
Tank: 90 Liter (Diesel)
Reifen: 4 x 285/45 R20 108W auf 20“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/RSR/ACC/LKA/BSD
Airbags: 6

Geländedaten:
Bodenfreiheit: 188 mm
Böschungswinkel vorne: 23,3°
Hinten: 17,2°
Rampenwinkel: 13,5°
Wattiefe: 580 mm