Je geringer die Bildung desto eher erfolgt eine Kündigung

Der Corona-Stillstand trifft etwa aufs Arbeitsleben bezogen nicht alle Menschen gleich hart. Die wirtschaftliche Last der Krisenbewältigung betrifft nicht alle Gesellschafts- bzw. Bildungsschichten gleich, zeigt eine Studie der Universität Wien, über die die “Wiener Zeitung” (Mittwoch) und die ORF-“ZiB2” (Dienstag) berichteten.

Während Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen (Matura, Uni) besonders oft im Home Office weiter arbeiten, werden Menschen mit Lehrabschluss oder Pflichtschulausbildung deutlich öfter in Kurzarbeit geschickt oder gleich gekündigt. Das zeigt eine Studie der Universität Wien, in der die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt in Verbindung mit dem Bildungsniveau untersucht worden sind.

Ein Ausgleich könne geschaffen werden, indem das Arbeitslosengeld an die Entlohnung in der Kurzarbeit angeglichen wird, sagt Studien-Mitautorin Christine Zulehner. “Die Corona-Krise verstärkt bereits bestehende sozioökonomische Ungleichheiten”, so die Professorin für Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik an der Uni Wien. Sie ist Teil des Forschungsteams des “Austrian Corona Panel Project” der Universität Wien, das die Studie mit 1.500 Befragten via Online-Fragebögen durchführte.

Eine Schlussfolgerung ist den Berichten zufolge, dass Menschen, die schon vor Covid-19 meist aufgrund von geringerer Bildungsabschlüssen in weniger sicheren Jobs und mit deutlich niedrigeren Einkommen prekärer lebten, in der Krise überproportional verlieren. Genau gegensätzlich wie bei Kündigungen und Kurzarbeit in der Corona-Krise verhält es sich hingegen mit der Zahl der Arbeitnehmer im Home Office. Je höher der Bildungsabschluss, desto eher wird von zu Hause aus gearbeitet. Mit abgeschlossener Pflichtschule sind aktuell 13,9 Prozent im Home Office, mit Lehre 26,1 Prozent, mit Matura bereits 50,7 und mit abgeschlossenem Studium 63,4 Prozent.

“Es gibt eine sehr starke Korrelation zwischen Bildungsabschluss und Einkommen”, sagt Zulehner. Auch dieser Zusammenhang lässt sich aus der Studie klar herauslesen: Rund 33 Prozent der Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.350 Euro sind derzeit in Kurzarbeit, bei 1.350 bis 1.950 Euro sind es knapp 28 Prozent, bei einem Einkommen von 1.950 bis 2.700 Euro nur noch knapp 18 und bei mehr als 2.700 Euro 17,5 Prozent.

In den vier Einkommenskategorien sieht es bei den von zu Hause aus Arbeitenden wieder genau anders aus. In der niedrigsten Einkommensgruppe sind es rund 21 Prozent, in der nächsthöheren bereits 31, in der zweithöchsten mit gut 50 Prozent schon mehr als die Hälfte und in der höchsten Einkommensklasse von mehr als 2.700 Euro monatlich 56 Prozent. “Je höher der Bildungsabschluss, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in einem Büro arbeiten”, sagt Zulehner. “Damit ist auch Home Office deutlich wahrscheinlicher als bei der Arbeit für Produktionsstätten, die physische Anwesenheit erfordern”, so Zulehner in der “Wiener Zeitung”.

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