Jede Bewegung berührt, jedes Gefühl wird sichtbar

Schlosspark: „Bilder einer Ausstellung“ im modernen Sounddesign getanzt

Kayla May Corbin, Valerio Iurato
Kayla May Corbin, Valerio Iurato © Laurent Ziegler

Von Modest Mussorgsis genialem zehnteiligen Klavierzyklus aus dem Jahr 1874 hat es zu allen Zeiten zahlreiche Bearbeitungen, Fassungen, Versionen in der Musik gegeben.

Die bekannteste, ein Musterbeispiel von Programmmusik, ist bekanntlich jene von Maurice Ravel durch seine 1922 erstellte Instrumentation, was schließlich die Komposition erst berühmt machte.

Die Tanzchefin des Landestheaters Mei Hong Lin ging noch weiter und schuf als eine absolute Novität „tanzende“ Bilder, indem sie gemeinsam mit dem Sounddesigner Randomhype und dessen technischen Klangmitteln Mussorgskis Musik in den Rahmen stellte.

Irgendwie ein Rückgriff auf die Originalgestalt des Werkes mit Klavier, dessen Part Stefanos Vasileiadis auf dem Bechstein-Flügel zwar hervorragend betreut, aber die farbige Instrumentierung Ravels vermisst werden, wenn man das Werk kennt.

Kein Ersatz dafür kommt, wenn auch noch so laut, vom Mischpult jazzig, poppig, vor allem furchtbar laut und mit der Zeit auch langweilenden ostinaten Rhythmen. Bis ans innere Ohr dringen sogar Töne wie aus dem Feuerwerk vom Urfahranermarkt.

Umdenken lautet eben die Devise für Mussorgski heutzutage, über dessen Musik Debussy einmal sagte, sie wäre „bis ins Letzte von verfeinerter Sensibilität mit einfachen Mitteln so gemacht, dass man an den Tanz eines Wildes erinnert wird“.

Leichtfüßig brillant das Ensemble Tanzlin.z

In der Tat, die leichtfüßig brillanten Leistungen des 16-köpfigen Ensembles von Tanzlin.z am Sonntag auf der Open Air Bühne im Schlosspark erinnerten an die schon oft erfahrene Souveränität der Tänzer. Ihre Darstellung der Gefühle in jeder Szene war schaubar, jede Bewegung berührte durch ihre Ausdruckstiefe.

Die „neue“ Musik dazu hingegen war nicht immer so fein gemalt, sondern geriet in Summe zur Untermalung. Zum Glück konnte man sich an den berühmten „Promenaden“ für den Besucher und seinen Gang durch die Ausstellung erholen.

Respekt auch für die Kostüme von Julio Andrés Escudero, jeweils angepasst an die Geschichten, die die Bilder erzählen. Sehenswert ist die Produktion, zu der die Corona-Zeit mit allen Maßnahmen inspiriert hat und die bis auf eine einzige Szene auf den Körperkontakt der Tänzer verzichten konnte, jedenfalls.

Überhaupt unter freiem Himmel an der heurigen Sommerspielstätte des Landestheaters im Schlosspark, die voll besetzt war und aus der nicht wenig applaudiert wurde.

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