„JKU ist zu klein für Bedeutung Oberösterreichs“

IV-Präsident Axel Greiner will Linzer Kepler-Uni gegenüber Wien und Graz gestärkt sehen –Stärkster Industriestandort soll beste Ausbildung haben

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Der Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich, Axel Greiner und IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch fordern eine deutliche Aufwertung für die Linzer Johannes Kepler Universität und die Forschung in Oberösterreich.
Der Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich, Axel Greiner und IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch fordern eine deutliche Aufwertung für die Linzer Johannes Kepler Universität und die Forschung in Oberösterreich. © IV OÖ/Krügl

Eine klare Stärkung der Universitäts- und Forschungslandschaft in Oberösterreich fordern die beiden Spitzen der Industriellenvereinigung OÖ, Präsident Axel Greiner und Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch im VOLKSBLATT-Interview.

VOLKSBLATT: LH-Stv. Michael Strugl hat erst kürzlich den Fachkräftemangel als größte Gefahr für den Standort bezeichnet, wie sehr sind oö. Industriebetriebe schon betroffen?

AXEL GREINER: Wir sehen es auf allen Ebenen, dass wir nun die Quittung für die versäumte Bildungspolitik der letzten zehn Jahre bekommen. Wir haben sowohl in den MINT-Fächern im universitären Bereich, in einigen FH-Bereichen, als auch in der Lehre absolute Lücken, die schwer zu füllen sind.

Finden die Betriebe noch genügend Mitarbeiter?

Greiner: Sehr oft lässt sich der Bedarf aus dem eigenen Umfeld der Betriebe nicht mehr decken. Das trifft Unternehmen in ganz Oberösterreich flächendeckend, auch im Zentralraum.

Mit welcher Konsequenz, drohen Abwanderungen?

JOACHIM HAINDL-GRUTSCH: Jene Firmen, die den Bedarf in der Region nicht mehr decken können, errichten Standorte anderswo in Europa, um die richtigen Leute zu finden. Mit dem Ergebnis, dass die Wertschöpfung dort passiert und nicht in Oberösterreich.

Zuwanderung aus Drittländern mittels der Rot-Weiß-Rot-Karte ist hier keine Lösung?

Greiner: Der Grundgedanke der Rot-Weiß-Rot-Karte wäre absolut richtig. Aber wir haben ein System geschaffen, das absolut nicht funktioniert. Mit bürokratischen Hürden hat man die die gute Idee der Karte klassisch österreichisch von Anfang an zu Nichte gemacht.

Woran scheitert die Umsetzung?

Greiner: Für jeden Einzelfall wurde das AMS beauftragt, dass es prüfen soll, ob es nicht doch einen Österreicher gibt, der die Aufgabe übernehmen könnte. Dieses Problem muss gelöst werden.

Ist der Druck auf Arbeitslose auch zu gering, damit offene Stellen besetzen zu können?

Greiner: Früher wurden im Gegensatz zu den letzten Jahren die Leute durch das AMS wirklich in die Arbeit hineinvermittelt, da wurde auch ein gewisser Druck aufgebaut. Hier hat das AMS eben einen gewissen Gestaltungsspielraum, ob ich Arbeitslose nur verwalte oder sage, es ist zumutbar, wieder eine Arbeit anzunehmen.

Muss dieser Gestaltungsspielraum also besser genutz werden?

Haindl-Grutsch: Oberösterreich hat die meisten offenen Stellen und die Arbeitslosigkeit ist noch immer über dem Niveau, das man vor der Wirtschaftskrise hatte. Hier muss das AMS seine Kernaufgabe besser lösen: Jobs vermitteln oder für die Qualifizierung der Leute sorgen.

OÖ konnte sich in den vergangenen Monaten etwa mit der LIT Factory bei mehreren Ausschreibungen des Bundes durchsetzen. Ein Erfolg?

Greiner: Wir sind erfolgreicher als früher, nichtsdestotrotz ist die JKU weiterhin eine viel zu kleine Universität für die Größe des Bundeslands und die Bedeutung Oberösterreichs als dem Industriestandort Österreichs. Österreich schadet sich massiv damit, dass am stärksten Industriestandort die geringste Hochschulausbildung im Technologiebereich stattfindet.

Wird zu viel auf Wien geschaut?

Haindl-Grutsch: Ja, die TU Wien wächst überproportional, obwohl der Bedarf wo anders gegeben ist.

Muss der Bund hier mehr in Oberösterreich investieren?

Greiner: Österreich ist bezüglich seiner Universitäts- und Forschungspolitik viel zu zentralisiert. Österreich leistet sich in Wien eine zentrale Universitätslandschaft, die 50 Prozent aller Mittel aufsaugt. Entsprechend der Wirtschaftsleistung müssten 12,5 Prozent der Mittel nach Oberösterreich fließen. Derzeit halten wir bei 5 Prozent. Da gibt es viel Spielraum nach oben.

Das heißt, auch die Studentenanzahl in Linz soll massiv erhöht werden?

Haindl-Grutsch: Die TNF hat 4500 bis 5000 Studenten, eine Verdoppelung wäre angebracht. Wobei natürlich auch die Absolventenzahlen dabei mithalten müssen.

Gibt es überhaupt genug Interesse an Technik bei den Jungen?

Greiner: Es gibt in der Gesellschaft ein technikfeindliches Denken. Es wird geglaubt, man könne zwischen einfachen, sauberen Ausbildungen und mit der Hand auszuführenden Tätigkeiten als gut und schlecht unterscheiden.

Woher kommt die von Ihnen zitierte Technikfeindlichkeit?

Greiner: Uns fehlt teilweise der technisch-naturwissenschaftliche Zugang von Zuhause, und das geht dann über den Kindergarten und die Volksschule weiter. Mit 12, 14 Jahren sind die Kinder in diese Richtung geprägt, wenn sie über den weiteren Weg entscheiden müssen.

Diese jungen Menschen fehlen dann als Fachkräfte.

Die Herausforderungen, die sich uns stellen, werden wir leider nicht mit einem Wirtschafts- oder Psychologiestudium lösen können. Wir brauchen die Ausbildung über den gesamten Bereich, wir brauchen mehr Breite.

Was muss man hier ändern?

Haindl-Grutsch: In der Schule wird das technische und auch wirtschaftliche Wissen vernachlässigt. Dass liegt auch daran, dass die Lehrer dieses Wissen nicht schon in der Ausbildung vermittelt bekommen, das überträgt sich auf die Kinder. Hier muss auch die Lehrerausbildung verbessert werden.