JKU-Rektor Meinhard Lukas: Corona-Krise zeigte Wichtigkeit der „Präsenzlehre“

JKU-Rektor Meinhard Lukas will Wintersemester „so präsent wie irgendwie möglich“ gestalten und hat weitere Ausbaupläne für Linzer Uni

JKU-Rektor Meinhard Lukas
JKU-Rektor Meinhard Lukas © JKU

VOLKSBLATT: Sie haben mit namhaften Experten verschiedenste Aspekte der Corona-Krise besprochen. Kann man eine Conclusio ziehen?

LUKAS: Die Conclusio ist, dass diese Pandemie schon in der Vergangenheit eine ständige Gratwanderung zwischen Verboten und Freiheit ist. Und das wird sie auch in nächster Zukunft bleiben. Es ist für die Politik und für uns als Gesellschaft eine unglaubliche Herausforderung, den richtigen Weg dazwischen zu finden.

Und man weiß wenig …

… es gibt erstaunlich wenig gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse. Gerade beim Thema „Infektionsgefahr bei Kindern“, das für den Herbst unglaublich wichtig wird, gibt es ganz widersprüchliche Aussagen. Auch das ist für die Politik eine enorme Herausforderung.

Und was war die überraschendste Erkenntnis?

Es gibt eine Studie in Wien bezüglich der Antikörper, demnach ist nicht gesichert, dass man als Infizierter auch Antikörper entwickelt. Das ist für die Entwicklung von Impfstoffen wesentlich und es wird wohl dazu führen, dass es nicht den Impfstoff gibt, sondern wie bei der Grippe einen jährlichen Impfstoff.

Welche Note würden Sie der JKU für das Corona-Semester geben?

Den Lehrenden der JKU ein klares „Sehr gut“. Die Umstellung von 0 auf 100 beim Distance Learning hat unglaublich gut funktioniert und auch was die positiven Prüfungsergebnisse betrifft, sind wir nicht weit weg von den Vorjahren. Natürlich war es eine Herausforderung, aber weil die Studierenden durchaus flexibel und agil waren, ist es eigentlich gut gelungen.

Was war die größte Herausforderung?

Die Prüfungen mit ein paar Hundert Leuten waren ein Challenge. Wir haben die zum Teil online gemacht mit ausgeklügelten Systemen, damit die Leute nicht schummeln – zum Teil waren zwei Kameras im Spiel. Und andererseits gab es die Präsenzprüfungen, wo wir die Mensa zu einem Prüfungszentrum nach besten hygienischen Standards umgebaut haben.

Mitte August sollen die Aufnahme-Tests für Medizin unter besonderen Auflagen abgehalten werden. Haben Sie ein bisschen Bauchweh wegen dieser „Massenveranstaltung“?

Weil man weiß, wie viele Menschen sich um diesen Test bewerben, wie lange sie darauf hin lernen und was für eine Lebensentscheidung es ist, gibt es an allen Standorten den unbedingten Wunsch, das möglich zu machen. Seit Wochen und Monaten arbeiten wir auf diesen 14. August hin. In Oberösterreich werden wir den Test an zwei Standorten machen, im Linzer Designcenter und in der Welser Messehalle, um Abstandsvorschriften einhalten zu können. Es sind Hunderte Mitarbeiter beschäftigt, um die Hygienestandards zu gewährleisten – es ist eine logistische Herausforderung, aber wir sind gut vorbereitet.

Kann man schon skizzieren, wie der Semesterbeginn im Herbst aussehen wird?

Auf den Nenner gebracht: So präsent, wie irgendwie möglich. So gut wir das Sommersemester bewältigt haben, so klar ist uns auch geworden, wie wichtig die Präsenzlehre ist. Wir haben alle – Studierende, Lehrende und Management – viel gelernt durch Corona.

In diesem Sommer werden vielen Online-Kurse und Prüfungen angeboten. Könnte das auch in die post-corona Zeit übernommen werden?

Wir planen schon das Wintersemester als Präsenz-Semester. Aber klar ist, dass es keine vollgestopften Hörsäle geben wird können und dass man die Abstände einhalten wird müssen. Gerade bei den großen Vorlesungen in Jus oder BWL wird man sicher manches in Distance machen müssen. Und da gibt es auch schon relativ viel Angebote. Trotzdem: Beim Studium geht es nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern es geht auch um das Fragen. Der Dialog zwischen den Studierenden; der Dialog in der Bibliothek – das sind Dinge, die wir derzeit schmerzlich vermissen. Es ist eine Illusion, bei allen Möglichkeiten der Digitalisierung: Die Johannes-Kepler-Universität wird gewiss keine digitale Fernuniversität werden. Wir bleiben eine Präsenzuniversität mit bestmöglicher digitaler Unterstützung.

Aber die Fernuniversität ist seit Jahren etabliert …

… das ist für Berufstätige oder für Menschen mit Betreuungspflichten ein unglaublich wichtiges Angebot. Aber das darf nicht der Regelbetrieb werden.

Wegen Corona sind Fragen der Leistungsvereinbarung wohl nicht behandelt worden. Trotzdem: Konnte die JKU ihre Studentenzahlen wie vertraglich vereinbart steigern oder droht nun, dass es zu Strafzahlungen kommt?

Wir liegen in den Mint-Bereichen, wo wir sehr ambitionierte Zahlen hatten, sehr gut, dank der neuen Studien „Artificial Intelligence“ und „Medical Engineering“. Vor Corona sind wir im Zielkorridor gelegen. In der sogenannten „Fächergruppe 1“ haben eigentlich alle Universitäten Schwierigkeiten mit den Zielwerten. Da sind Jus und Wirtschaftswissenschaften drinnen und da haben sich auch die Zugangsregelungen ausgewirkt. Aber da eigentlich alle Universitäten davon betroffen sind, gehe ich davon aus, dass man über diese Zielkorridore noch einmal reden wird müssen, wenn dann alle Zahlen vorliegen.

In den kommenden Monaten bzw. im kommenden Jahr wird der „Umbau“ des Campus und auch der Neubau der Med-Fakultät voraussichtlich abgeschlossen. Schon Ideen für die nächsten Schritte?

Der Umbau des Campus ist nie fertig. Außerdem gibt es einen unglaublichen Bedarf an Ansiedlungsmöglichkeiten rund um die Uni. Diesen Bedarf können wir mit den vorhandenen Flächen nicht decken. Es ist für den Wirtschaftsstandort eine elementare Frage, wie man solche Flächen rund um den Campus entwickelt. Dass Infineon oder Apple die Nähe zur JKU suchen, hat sicher damit zu tun, dass wir exzellente Absolventinnen und Absolventen zu tun und exzellente Forscherinnen und Forscher haben. Stadt und Land werden sich mittelfristig überlegen müssen, wie man diesen Ansiedlungsbedarf decken kann.

Und an der JKU?

Wir reagieren mit einem Architekturwettbewerb mit dem Titel „Campus West“. Den machen wir gemeinsam mit der BIG und dabei geht es darum, dass wir Parkflächen in ein Parkhaus transferieren, um dann derzeitige Parkflächen für die Erweiterung nutzen zu können.

Mit JKU-Rektor MEINHARD LUKAS sprach Herbert Schicho

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