Johannes Brahms und sein prägendes Verhältnis zu Bad Ischl

Salzkammergut Festival: Bariton Thomas Hampson in der Pfarrkirche St. Nikolaus — Nicht ganz würdige Geburtstagsgrüße für den Kaiser

Stadtpfarrer Christian Öhler, Thomas Hampson, Martin Haselböck, Marie-Theres Arnbom und Stephan Köhl (GF Tourismusverband Bad Ischl)
Stadtpfarrer Christian Öhler, Thomas Hampson, Martin Haselböck, Marie-Theres Arnbom und Stephan Köhl (GF Tourismusverband Bad Ischl) © TVB Bad Ischl

Wie im Vorjahr waren Martin Haselböck und Thomas Hampson zu Gast beim Salzkammergut Festival und konnten auf ein entsprechendes Interesse zählen.

Die kaiserliche Nikolauskirche in Bad Ischl war bei dem heißen Sonntag-Nachmittagkonzert vollbesetzt, natürlich bei Einhaltung der Corona-Maßnahmen. Dargeboten wurde ein Programm, das Brahms und alle mit ihm aufgeführten Komponisten in Zusammenhang brachte.

Brahms und Bad Ischl, wo der Komponist 1880 seinen ersten Sommer verbrachte und der Kaiserstadt durch Freunde und Schaffenshöhen seine Liebe bezeugte, sind in der Geschichte eine bekannt unauslöschliche Verbindung eingegangen. Als Auftakt zu dem Konzert hat die musik- und metierkundige Sozialhistorikerin Marie-Theres Arnbom hierüber eine informative Einführung in der Trinkhalle gegeben. Ein besonders erfreulicher Aspekt, auf diese Weise den Festivalbeitrag einzuleiten.

An Hampsons Qualität ist nicht zu zweifeln

Im Konzert selbst stellten sich solche Freudengefühle nicht durchwegs ein. Die Orgel als Begleitinstrument für einen Sänger, der weitab vom Publikum auf der Empore seine Kunst ausübt und zum Publikum daher die so wichtige Kommunikation nicht nützen kann, ist gewiss auf ein Minimum der gestalterischen Vertiefung eingeschränkt. Die Übertragung auf eine Leinwand im Hauptaltar kann diesen Zugang nicht ersetzen.

Nun ist an der großartigen weltweit erprobten Qualität von Thomas Hampson auf der Bühne und im Konzertsaal freilich nicht zu zweifeln. Vielmehr daran, ob sein diesmal auffallend an dem Notentext hängender Vortrag wirklich aus dem Herzen kam und das fehlende „natürliche“ Charisma die Ausdrucksintensität einengte. Die „Vier ernsten Gesänge“ aus dem Alten Testament von Johannes Brahms aus 1896 mit dem Thema Tod, als ein Finalwerk durch die Vollendung von Clara Schumanns Ableben komponiert, waren in der Orgelfassung eine seltene Begegnung und lenkten den Blick erst im vierten Lied auf „Glaube, Hoffnung und Liebe“, wie daran auch die Aufschrift im Deckengewölbe der Kirche erinnert.

Die Auswahl von vier der insgesamt 53 Mörike-Liedern von Hugo Wolf 1887/88, gewiss Höhepunkte seines lyrischen Ouvres und einst von Max Reger für Orgel gesetzt, inspirierten Thomas Hampson und seine epische Vortragsweise mit seiner warmen Baritonstimme viel stärker und zu mehr überzeugender Ausdrucksfantasie und Gestaltung stilistischer Spannweite.

Martin Haselböck bewies erneut seine Kunst des Orgelspiels, die schon seinem Vater Hans Haselböck größte Wertschätzung einbrachte, mit der bekannten A-Dur Sonate von Mendelssohn-Bartholdy op. 65/3, Franz Schmidts Toccata-Solosonate C-Dur (1924), Bruckners beliebtem Perger Präludium und zuletzt mit Improvisationen über Bruckner-Themen. Alle Werke vorgestellt mit klassischer Stilsicherheit und großem Erfindungsreichtum für die Variierung und Umspielung verketteter Themen- und Motivverbindungen, wobei der Sanierungsbedarf der Ischler Kaiserorgel klanglich leider nicht zu überhören gewesen ist.

Einer vorgezogenen Gratulation zum baldigen Geburtstag von Kaiser Franz Joseph I. am 18. August konnte dies nicht ganz würdig sein.

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