John Coltrane: Both Directions at Once: The Lost Album (Universal)

Als Saxofonist John Coltrane 1967 starb, hinterließ er ein musikalisches Erbe, das eingefleischte Fans bis zur letzten Note kennen zu glaubten. Seine 50 Jahre lang „verschollenen“ Aufnahmen auf dem nun veröffentlichten Album „Both Directions at Once: The Lost Album“ bieten Futter für jene, die Coltrane und sein Quartett noch einmal in Höchstform hören wollen. Wirklich Revolutionäres darf man nicht erwarten, aber auch nicht minder Geniales. Das eigentlich nicht ganz „verlorene“ Album wurde 1963 mit seinem Quartett (Elvin Jones, Jimmy Garrison, McCoy Tyner) in einem Privatstudio aufgenommen. In dieser Ära holt einem „Both Directions at Once“ auch ab. Sieben Stücke wurden unter der Aufsicht von Coltranes Sohn Ravi Coltrane zusammengestellt, darunter eine weitere Version von „Impressions“, einem Signature-Track des Tenorsaxofonisten, „Nature Boy“ und „One Up, One Down“. Zwei bisher unbekannte Coltrane-Kompositionen wurden nachträglich mit „Untitled Original 11383“ und „Untitled Original 11386“ betitelt. Dass Coltranes „Slow Blues“ früh modale, sphärische Dimensionen entwickelt, ist genauso wenig überraschend wie Tyners Klangkaskaden am Klavier und die treibenden Becken von Drummer Jones. Ein Puzzle-Teil in Coltranes Diskografie, das ein Gemälde weiter vervollständigt, mit bekannt schillernden Farben und expressiven Formen.