Jonas Kaufmann: Otello

Gesamtaufnahmen von Opern werden wieder aktuell. Nun liegt Verdis „Otello“ mit Jonas Kaufmannn in der Titelrolle vor. Verdi setzte bei seinem Werk auf ausdrucksstarke Charaktere, wie vom Dichter vorgegeben.

So zeigt er ein Faible für zügellose Gefühlsausbrüche, zerrissene Figuren, eine Machtposition inklusive einer hübschen Frau. Aber tempora mutantur: Der heutige Otello hört sich hier an wie ein Macho-Dummkopf der besonderen Art, den seine Eifersucht zum Morden verleitet.

Erlaubt seien einige Einwände gegen die musikalische Realisierung. Nicht, was die brillante Orchester- und Chorleistung von der Academia di Santa Cecilia betrifft. Gesungen wird wunderschön, mit ergreifender Dramatik, leider nicht genug persönlichkeitsstark, was auch dem Dirigenten Antonio Pappano geschuldet ist.

Warum lässt er beim Credo Jagos am Ende den diabolischen Lacher weg — oder die kaum hörbare Guzla (kleine Mandoline) bei Desdemonas Auftritt im 2. Akt. Jonas Kaufmann singt den Otello ebenso bravourös in allen Wutausbrüchen wie zartfühlend in den Piani, aber doch zu „germanisch“ im Vergleich mit einer südländischen Besetzung.

Noch Luft nach oben hat der Sopran der Federica Lombardi. Am meisten überzeugt der Jago von Carlos Alvarez, als Cassio glänzt Liparit Avetisyan. Fazit: Eine gute, aber nicht die bisher beste Otello-Einspielung.

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