Josephine Rowe: Ein liebendes, treues Tier

Der Debütroman „Ein liebendes, treues Tier“ der Australierin Josephine Rowe handelt von einer zerrütteten Familie. Das Thema mag nicht originell erscheinen, die Erzählweise ist allerdings spektakulär.

Die Mittdreißigerin fordert die Leser heraus, in die Gedanken der Protagonisten einzutauchen und verdichtet mit einem komplexen Stil die Informationen auf 200 höchst intensive Seiten. Australien Anfang der Neunziger, eine Familie zerbricht: Der gewalttätige, vom Vietnam-Krieg psychisch schwer angeschlagene Vater läuft wieder einmal davon — diesmal für immer. Die Mutter hängt sehnsüchtig in Tagträumen den vergangenen, leichtfertigen Tagen ihrer Jugend nach und bekommt die Gegenwart kaum in den Griff.

Die ältere Tochter reißt aus, um dem Schicksal ihrer No-Future-Generation zu entkommen, die jüngere bleibt traumatisiert zurück. Und dann gibt es noch einen seltsamen Onkel, den seine Mutter vor Jahren mit in den Tod nehmen wollte. Man kann Rowe durchaus vorwerfen, ein starkes Stück zu viel an dramatischen Vorfällen in ihr Buch gepackt zu haben. Die Stärke des Romans liegt aber ohnehin in seiner Aufbereitung und in der Wortkraft. Jedes Kapitel wird aus der Sicht des jeweiligen Protagonisten erzählt — stilistisch verschieden. Keiner der Charaktere ist grundsätzlich „böse“, zugleich niemand der Held.

Rowe erweckt mit ihrer Erzähltechnik und dem sorgsamen Umgang mit ihren Figuren viel Empathie. Zwar versuchen alle Familienmitglieder auf ihre Art „auszubrechen“, letztlich bleibt Resignation und Melancholie.

Josephine Rowe: Ein liebendes, treues Tier. Liebeskind, 208 S., € 20,60 Euro