Jubiläumsjubel fürs Bruckner Orchester im Goldenen Saal

Bruckners goldgerahmte Original-„Achte“ in Poschners Neubetrachtung

Markus Poschner leitet sein Bruckner Orchester in Wien
Markus Poschner leitet sein Bruckner Orchester in Wien © R. Winkler

Seit einem halben Jahrhundert gastiert das Bruckner Orchester regelmäßig im Goldenen Saal des Musikvereins Wien, was das Land Oberösterreich am Donnerstag — im Beisein von Landeshauptmann Thomas Stelzer — zu einem Kultur-Empfang mit anschließendem Konzert veranlasste.

Natürlich stand Bruckner auf dem Programm, und zwar mit seiner „Achten“ in der Originalfassung 1887, die Chefdirigent Markus Poschner erstmals in Wien unter seine Fittiche nahm, genau dort, wo sie vor 130 Jahren von den Wiener Philharmonikern unter Hans Richter uraufgeführt wurde.

Seither ist viel passiert mit dem Werk, das Bruckner durch ihn besonders schmerzende Einwände aus Freundeskreisen zweimal umarbeitete. Poschner reizte der seltene Rückgriff zum Original.

Was für ihn zählte, war die Identifikation mit Werk und Schöpfer; vielleicht wollte er die weltlich-sinnliche Komponente der Musik in den gängigen Letztfassungen umgehen und Bruckners innerste Freude und Begeisterung nach den Erfolgen mit seiner „Siebenten“ ausdrücken. Wie ein herausragender Fels in der Brandung des Gewöhnliche wollte Bruckner gehört werden.

Poschner mit Demut und Gewissenhaftigkeit

Im großen orchestralen Gefüge von an die hundert Musikern mit Sabine Nova am Pult des Konzertmeisters und dem künftigen neuen, Jacob Meining am zweiten Pult, arbeitete Poschner mit Demut und Gewissenhaftigkeit, feilte an der dynamischen wie harmonischen Struktur und ausgewogenen rhetorischen Zusammenhängen zwischen den Sätzen und betonte ihren Eigencharakter.

Detailversessenheit war schon immer seine Stärke, eingebunden in eine Tempo-Dramaturgie, bei der Zäsuren, Ritardandi und weiche Klangbögen der Melodielandschaft sinnvoll sind und einen symphonischen Erzählfluss ergeben. Mit den physisch fast unvorstellbar gemeisterten Paukenschlägen am Kulminationspunkt der „Achten“ gegen Ende des gewaltigen Adagio-Satzes erinnerte Poschner allerdings an die Erstfassung und verlangte Steigerungswellen von durchdringender Entladung.

Der Gesamteindruck hat nichts verschleiert, weder die Schönheiten des Originals noch wurde mit der Sicht auf Poschners Neubetrachtung am genialen Bruckner-Bild gerüttelt. Man bleibe hier bei der Bezeichnung von der echten Poschner-Fassung einer Interpretation, an der sich die Dirigenten orientieren mögen.

Als zweite Uraufführung wurde ein neues Werk des Linzers Rudolf Jungwirth (Jg. 1955) gespielt: „murals“ acht Orchesterstücke, bei denen die Technik der Wandmalerei — inspiriert von Paul Klee — auf den Kompositionsprozess übertragen ist. Mit dem Resultat einer Musik, die angenehm avantgardistischen Zeichen aus dem Weg geht und nicht zum ersten Mal Jungwirths perfekte Satzbeherrschung und Erfindungsgabe wie Instrumentationstechnik demonstriert.

Es gab also viel zu feiern: ein Jubiläum, Seltenes und das publikumsfreundliche Stück eines zeitgenössischen Komponisten aus Bruckners Heimat. Der Jubel war dementsprechend ausgiebig.

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