Jugendliche von heute unter hohem Druck

Psychotherapeut rät Eltern, sich Zeit für Gespräche mit dem Kind zu nehmen – Bei Rückzug besteht Gefahr, sich eigene Welt zu zimmern

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Schauplatz des Mordes an einer Siebenjährigen: der Dittes-Hof in Wien Döbling. Die Familie des vom Nachbarburschen getöteten Mädchens hat gestern die Schlüssel für eine neue Wohnung in einem anderen Bezirk bekommen. Die Angehörigen des mutmaßlichen Täters wurden schon abgesiedelt. © APA/Punz

Von Michaela Ecklbauer

LINZ – Ein 16-Jähriger bringt das ihm gut bekannte Nachbar-Mädchen (7) um, ein 18-Jähriger will in seiner ehemaligen Schule Amok laufen. Horrormeldungen über Ereignisse, die sich mittlerweile auch hierzulande abspielen. Was ist bloß mit der Gesellschaft los?

 

„Es lastet ein enormer Druck auf den Jugendlichen von heute“, ist der Psychologe und Psychotherapeut Barnabas Strutz, der auch am Linzer Neuromed Campus tätig ist, überzeugt: „Man soll gut aussehen, gut draufsein, viel Geld verdienen und gleichzeitig können sogar Gutausgebildete Pech haben, und keinen Platz im Leben finden. Der Stress aber auch die Bevölkerungszunahme spielen eine Rolle.“ In der Pubertät komme hinzu, dass die Stimmung sehr rasch kippen kann.

„Wenn sich jemand zurückzieht und kaum noch mit anderen spricht, steigt die Gefahr, dass er sich sein eigenes Weltbild zimmert und vielleicht allein schon durch einen strengen Blick eines anderen, darin bestärkt wird, dass ihn keiner mag. In einem persönlichen Gespräch hätte sich aufgeklärt, dass es einen ganz anderen Grund für den Blick gab“, schildert Strutz dem VOLKSBLATT: „Eine Facebook- oder WhatsApp-Kommunikation kann das direkte Gespräch keinesfalls ersetzen.“ Und gerade bei muslimischen Jugendlichen ist die Hemmschwelle, zu einer Therapie zu gehen, extrem groß, da „wird man gleich als ,Psycho‘ stigmatisiert“, weiß Strutz.

Der Psychotherapeut plädiert dafür, dass eine psychologische Begutachtung bereits im Rahmen des Mutter-Kind-Passes Platz findet. Und von klein auf, im Kindergarten und der Schule darauf geachtet wird, ob ein aggressives Verhalten vorliegt. Ganz wichtig sei, bei Auffälligkeiten auch mit den Eltern zu arbeiten. „Sie müssen ihrem Kind vermitteln, dass sie es mögen, gleichzeitig ihm aber auch Grenzen setzen und diese erklären. Extrem wichtig ist, dass sich die Eltern Zeit nehmen für das Gespräch.“ Eine weitere Problematik sieht er darin, dass ein Therapeut aufgrund des Datenschutzes der Polizei praktisch nicht weitergeben könne, wenn jemand potenziell gefährlich sei.