Viereinhalb Monate Coronakrise: Erholung am Arbeitsmarkt

Seit viereinhalb Monaten hat die Coronakrise den heimischen Arbeitsmarkt fest im Griff. Seit dem Höhepunkt Mitte April mit 588.000 Arbeitslosen sinken die Zahlen allerdings kontinuierlich. Ende Juli waren noch über 432.500 Personen in Österreich ohne Job, das sind um rund 107.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag mit 9,2 Prozent um 2,7 Prozentpunkte höher als im Juli 2019.

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen und das Wiederhochfahren der Wirtschaft haben in den vergangenen Monaten teilweise zu einer Entspannung am Arbeitsmarkt geführt. Gegenüber Ende Juni sank die Zahl der registrierten Arbeitslosen Ende Juli um 30.815 Personen (-7,4 Prozent) und die AMS-Schulungsteilnahmen blieb annähernd unverändert. Man werde “die Auswirkungen dieser Weltwirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt noch längere Zeit spüren”, so Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Die Maßnahmen würden aber “Wirkung zeigen”, im Juli habe es 274.000 Kurzarbeitende weniger gegeben als im Vormonat.

“Es bewegt sich in Richtung Erholung, es ist aber zäh”, sagte Wifo-Arbeitsmarktökonom Helmut Mahringer im APA-Gespräch am Montag. “Der Arbeitsmarkt braucht die wirtschaftliche Erholung.” Besonders stark betroffen von der Corona-Pandemie sind vor allem noch Stadthotellerie, Veranstaltungswesen, Verkehrssektor und Sachgüterproduktion.

Die Arbeitslosigkeit ist speziell im Tourismus coronabedingt weiterhin hoch. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer im Bereich Beherbergung und Gastronomie lag Ende Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 73,8 Prozent höher bei rund 55.400 Betroffenen. Die laufende Sommer-Hochsaison hat die Tourismus-Arbeitslosenzahlen aber merkbar sinken lassen, im Juni waren noch mehr als 73.000 ohne Job.

Während die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer in Tirol (+75 Prozent) und Salzburg (+50,8 Prozent) Ende Juli im Vergleich zu Ende Juli 2019 sehr stark zulegte, belief sich das Plus in Kärnten auf “nur” 25,6 Prozent. Der brummende Sommertourismus rund um die Kärntner Seen hat zu einer teilweisen Arbeitsmarktentspannung geführt.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Wifo-Ökonom Mahringer noch am Lehrstellenmarkt. Im Juli schnellte im Vergleich zum Vorjahresmonat die Lehrstellenlücke – die Differenz zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden – um über 2.500 auf knapp 5.500. Die Situation von Jugendlichen, älteren Menschen, Geringqualifizierten und Arbeitnehmern aus dem Tourismus verbessere sich aber nur langsam und sei “von großen Unsicherheiten geprägt”, schreibt das Arbeitsmarktservice (AMS) in einer aktuellen Analyse. Außerdem seien Arbeitnehmer mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft in der Coronkrise von Arbeitslosigkeit besonders betroffen, so die AMS-Experten.

Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen forderte SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch erneut ein großes Konjunkturpaket, eine befristete Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent des Letzteinkommens und eine Aufstockung der AMS-Mitarbeiter um mindestens 500 Personen. AK- Präsidentin Renate Anderl drängt auf “eine rasche Umsetzung der von der Bundesregierung angekündigten neuen, österreichweiten Arbeitsstiftung für 100.000 Arbeitssuchende” und mehr AMS-Personal für die Koordinierung der Qualifizierungsoffensive.

FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch kritisierte die Arbeitsmarktpolitik der türkis-grünen Regierung. “Diese Regierung schafft es mit ihren Placebo-Maßnahmen nämlich nicht, der österreichischen Wirtschaft eine Planbarkeit und Sicherheit zu vermitteln und es kommen von Schwarz und Grün auch keine echten Impulse für eine Stärkung der Kaufkraft”, so Belakowitsch. Für NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker hat es “höchste Priorität”, dass Arbeitslose wieder in Beschäftigung gebracht werden. “Die Regierung muss deshalb an vernünftigen Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen für Personen arbeiten, deren Branche nachhaltig eingebrochen ist”, sagte Loacker.

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