No-Deal-Brexit kein Weltuntergang

Britische Regierungschefin sieht mögliches Scheitern der Verhandlungen gelassen

Theresa May überstand Brexit-Voten dank Jeremy Corbyns Enthaltsamkeit.
Theresa May © AFP

Die britische Premierministerin Theresa May hat Sorgen vor einem ungeordneten Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union gedämpft. Sollte es nicht gelingen, eine Vereinbarung über die Beziehungen zur EU nach dem Brexit zu erzielen, wäre das zwar kein „Spaziergang im Park“, aber auch nicht „kein Weltuntergang“, sagte sie am Dienstag in einem Interview. Es sei besser, die EU ohne Abkommen zu verlassen als mit einem schlechten Abkommen.

Deutschland und Irland warnten dagegen vor einem ungeordneten Brexit. Ein EU-Austritt Großbritanniens ohne eine Vereinbarung über die künftigen Beziehungen würde Nachteile für alle mit sich bringen, sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas nach einem Gespräch mit seinem irischen Kollegen Simon Coveney. Dieser erklärte, sein Land habe Notfall-Pläne für alle Eventualitäten entwickelt.

bezahlte Anzeige

Die Furcht vor einem ungeordneten Brexit drückte am Dienstag den Kurs des britischen Pfunds auf ein Jahrestief von 1,10 Euro.

JVP-Umfrage: EU schrumpft!

Junge Österreicher gehen offenbar von einem Schrumpfen der EU aus. In einer am Dienstag vom Obmann der Jungen ÖVP, Stefan Schnöll, präsentierten Umfrage gingen 53,2 Prozent der Befragten davon aus, dass es nach dem Brexit zu weiteren Austritten aus der Union kommen wird. Einen EU-Austritt Österreichs würden aber lediglich 20,6 Prozent befürworten.

An der von der JVP durchgeführten Umfrage waren bundesweit etwas mehr als 1000 Personen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren beteiligt. Sie wurde nach Angaben von Schnöll online durchgeführt und zeichnet ein repräsentatives Meinungsbild.

Die Meinung, dass die EU kleiner werden wird, vertraten 53,2 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Eine Erweiterung der Europäischen Union lehnten sie ab: 42,7 Prozent wollen die Westbalkan-Staaten selbst dann nicht bei der EU haben, wenn sie die Beitrittskriterien erfüllen. Was die Türkei betrifft, sprachen sich 70,7 Prozent der Befragten für einen Abbruch der Beitrittsgespräche aus. Grundsätzlich sollten die Grenzen besser gesichert werden: 71,2 Prozent sind der Ansicht, dass die Europäische Union nicht genug gegen die illegale Migration tut.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge stehen 51,9 Prozent der jungen Österreicher der EU positiv gegenüber. Als wichtigste Aufgaben der Union wurden eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Mobilität innerhalb Europas genannt. Auch die Friedens- und die Energiefrage (90,5 Prozent sprachen sich für einen Ausstieg aus der Atomenergie aus) bzw. der Umweltschutz genießen bei den Befragten hohe Priorität.

Schnöll und Vorarlbergs JVP-Obmann Raphael Wichtl freuten sich über die „grundsätzlich sehr pro-europäische Haltung“, die die Umfrage widerspiegle. Gleichzeitig habe die Umfrage aber auch gezeigt, dass es etwa eine große Diskrepanz zwischen Lehrlingen und Studenten gebe. So befürworteten 80 Prozent der Studenten einen Verbleib Österreichs bei der EU, aber nur 48 Prozent der Lehrlinge. „Studenten sind wesentlich pro-europäischer eingestellt, viele nutzen die Möglichkeiten des Erasmus-Programms“, stellte dazu Schnöll fest. Man wolle deshalb den europäischen Gedanken noch stärker in die Gemeinden tragen, so der JVP-Obmann.