Kabarettisten klagen gegen Ticket-Schwarzhandel

    Eintrittskarten zu Wucherpreisen: Monika Gruber, Viktor Gernot und oö. Agentur ziehen in Linz gegen Schweizer Online-Portal vor Gericht

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    Schluss mit lustig! Monika Gruber bekämpft während ihrer Wahnsinn!-Tour auch den Kartenwucherwahnsinn.
    Schluss mit lustig! Monika Gruber bekämpft während ihrer Wahnsinn!-Tour auch den Kartenwucherwahnsinn. © Tibor Bozi

    Von Manfred Maurer

    Da hört sich auch für Humoristen der Spaß auf: Wenn mit Eintrittskarten für ihre Auftritte Schwarzhandel betrieben wird. Zwei wehren sich nun: Bayerns Kabarettkönigin Monika Gruber und ihr österreichischer Kollege Viktor Gernot, die 2016/17 mit ihrem „Küss die Hand“-Programm auf Tour waren, haben gemeinsam mit der Marchtrenker Veranstaltungsagentur Stage beim Landesgericht Linz die viagogo AG in Genf geklagt (Streitwert: 35.000 Euro). Eine weitere Klage mit gleichem Streitwert hat der bei der oö. Wirtschaftskammer angesiedelte Wettbewerbschutzverband 1981 (WSV) eingereicht.

    „Der zentrale Vorwurf ist, dass viagogo im Internet einen Dienst bereitstellt, wo registrierte User den Schwarzmarkt mit Karten bedienen und viagogo eine hohe Provisionsgebühr dafür erhält“, so Klägeranwalt Johannes Hintermayr. Auf viagogo.at würde bis zum Fünffachen des normalen Kartenpreises verlangt.

    Kartendealer verlangen bis zu fünfmal höhere Preise

    So hat ein bereits gerichtsbekannter Tiroler bei Stage 32 Karten gekauft und bis zu viermal teurer weiterverkauft. Auch für Grubers neue „Wahnsinn!“-Tour (4. April 2018 in Leonding) werden bei vaigogo Wahnsinnspreise verlangt: Für den Auftritt im Salzburger Congress am 29. Dezember wurden Karten um 100 Euro plus 59 Euro Gebühren und Steuern angeboten. Regulär kosteten sie 33 bis 63 Euro. Die meist unter falscher Identität auftretenden Schwarzhändler würden noch dazu „die schlechtesten Plätze zum teuersten Preis anbieten“, so Stage-Co-Geschäftsführerin Gabi Sinzinger zum VOLKSBLATT. Wenn Käufer dann auf überteuert erstandenen Tickets den tatsächlich viel niedrigeren Preis aufgedruckt sehen, „werden wir auch noch mit den Beschwerden konfrontiert“, so Sinzinger.

    Dem weltweit agierenden Schweizer Unternehmen, für das die Unschuldsvermutung gilt, sei „eine Beteiligung am mutmaßlichen Sachwucher vorzuwerfen“, heißt es in der Klageschrift. Die Liste der Vorwürfe ist noch länger: Es geht um den Eingriff in die Persönlichkeitrechte der Künstler und einen „unzulässigen Imagetransfer“, weil viagogo mit der Popularität der Künstler werbe. Zudem würden, so Hintermayr, „potenzielle Ticketinteressenten in die Irre geführt, weil alle annahmen, dass die viagog-User die angebotenen Tickets berechtigt anbieten und verkaufen dürfen“. Die Fachgruppe der Freizeit- und Sportbetriebe in der WKOÖ hat zudem festgestellt, „dass die Beklagte ohne Berechtigung das Gewerbe eines Kartenbüros ausübt und/oder sich am rechtswidrigen gewerblichen Kartenverkauf durch Private beteiligt“.

    Klagen unbeantwortet

    Versuche, in der Sache vor Beschreiten des Rechtsweges Kontakt aufzunehmen, sind gescheitert. „Dort in Genf erwischt man niemanden“, sagt Fachgruppengeschäftsführer Robert Steiner. Im Impressum auf der Homepage gibt es zwar eine Adresse (Rue de Lyon 109), aber keine Telefonnummer. Und an die angegebene Email-Adresse gesendete Anfragen bleiben unbeantwortet. Diese Ignoranz traf auch das VOLKSBLATT bei seinen Recherchen. Mehrfach übermittelte Ersuchen um Stellungnahme blieben unbeantwortet. Der Justiz erging es bislang nicht besser. Die vom Landesgericht Anfang November mit der Aufforderung zur Beantwortung zugestellte WSV-Klage wurde in Genf keiner Reaktion für würdig befunden. Bei der Ende November übermittelten Klage Gruber/Gernot/Stage läuft die Frist bis Jänner.

    Im Fall der WSV-Klage hat Anwalt Hintermayr nun ein Versäumungsurteil beantragt.

    Viagogo ist aber auch schon im Visier der Schweizer Behörden: Das eidgenössische Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat beim Handelsgericht Zürich geklagt.

    Tickets nur regulär kaufen!

    Da der Rechtsstreit wohl noch lange toben wird, bleibt Fans von Monika Gruber und Co. nur, den Rat von Stage-Chefin Sinzinger zu beherzigen: „Tickets nur bei regulären Kartenbüros kaufen!“