Kabarettistin Leeb begegnet dem Virus mit Improvisation

In das große Jammern möchte Magda Leeb nicht mit einstimmen. Zwar sind derzeit alle Auftritte der Wiener Kabarettistin abgesagt und die Frage, in welcher Variante – mit geladenen Gästen oder nur als zehn Tage später auf ORF 1 ausgestrahlter TV Aufzeichnung – am 8. Dezember die Verleihung des Österreichischen Kabarettpreises stattfindet, ist noch nicht entschieden. Doch „Die Kaiserin von Österreich“ (wie ihr Programm heißt, für das sie den Förderpreis erhält) ist gelassen.

„Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Ich hab mich mit der Situation arrangiert“, sagt die 44-jährige „gelernte Hauptschullehrerin“, die ihren Vertrag erst vergangenes Jahr gekündigt hat. Dass sie noch nicht ernsthaft mit einer Rückkehr in ihren einstigen Hauptberuf liebäugelt, liegt daran, dass sie mehrere Standbeine hat: Sie schreibt, macht Regie und steht selbst auf der Bühne. „Vor allem aber bemühe mich, neue Formen online auszuprobieren.“ Dabei kommt Leeb wohl ihr Spezialgebiet zugute: die Improvisation.

Seit vielen Jahren ist sie Ensemblemitglied bei der Improvisationstheater-Schiene „Sport vor Ort“ im Wiener TAG, sie hat Impro-Krimi-Erfahrung im Theater Drachengasse und war in der Impro-Show „Dem Faust auf‚s Aug“ im Kabarett Simpl ebenso wie in zahlreichen Impro-Formaten des ORF zu sehen. Mit Anita Zieher gründete sie das Impro-Kabarettduo „Zieher & Leeb“. Als „Kaiserin von Österreich“ überzeugte sie Publikum und Kabarettpreis-Jury mit ihrem imperialen Alternativprogramm zur nach einer Reihe von Skandalen übel beleumundeten Demokratie: „Sie regiert absolutistisch, duldet keinen Widerspruch und erträgt keine Zwischenrufe. Dieses Land braucht einen starken Mann“, heißt es in der Werbung zu ihrer Show. Eine Show, die sie seit März kaum mehr zeigen konnte.

„Ich habe meine gecancelten Auftritte nicht gezählt, um mein Seelenheil nicht zu gefährden. Der Sommer war relativ positiv. Wir waren froh über die Open-Air-Auftrittsmöglichkeiten. Später haben viele Veranstalter mit großem Mitteleinsatz ihre Lokale coronasicher gemacht“, sagt sie im Gespräch mit der APA. „Es wurde uns ‘Licht am Ende des Tunnels‚ angekündigt – und dann hat man zugesperrt“, sieht sie eine große Saloppheit im Umgang mit beruflichen Existenzen. „Dabei gibt es ein unglaubliches Bedürfnis nach Unterhaltung.“

Magda Leeb hat daher versucht, ihr analoges Kabarettistinnen-Dasein in ein digitales und virtuelles zu verwandeln. „Natürlich ist online etwas anderes. Natürlich fehlt der knisternde Kontakt mit dem Publikum. Natürlich ist es eine Krücke. Aber lieber mit Krücken laufen als ohne Krücken im Bett liegen!“ Sie verweist auf ihre Erfahrung im Business-Theater, die sie auch schon als Auflockerungs-Programm bei Online-Konferenzen eingebracht hat: „Stundenlange, lähmende Videokonferenzen! Da braucht es uns!“ Auf geänderte Rahmenbedingungen reagiert Leeb mit einem veränderten Angebot: Gemeinsam mit Anita Ziehrer hat sie daher einen Kabarett-Podcast entwickelt und versucht sich an einer „improvisierten Mittagspause“, in der sie ihrem Publikum Abwechslung in den Homeoffice-Alltag bieten will: „Mein größter Vorteil ist ja, dass ich in meiner Kabarettform gut auf die Leute eingehen kann. Ich gehe dorthin, wo‘s brenzlig ist. Da erfülle ich eine Art Ventilfunktion.“

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In der Branche „höre ich viele pessimistische Töne“, sagt sie allerdings. „Jene, die in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter sind, sind gelassener. Für jene, die am Anfang ihrer Karriere stehen und jeden Auftritt, jede Aufmerksamkeit brauchen können, ist es besonders bitter. Zum Glück haben viele noch einen Brotjob, mit dem sie sich über Wasser halten können. Aber es wird ein ganz hartes Gerangel um den Futtertrog geben, wenn es wieder losgeht.“

(S E R V I C E – )

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