Kärntner Waffenhändler belieferten Mafia: Zwei Schuldsprüche

820 Faustfeuerwaffen und Dutzende Kalaschnikows, alle mit ausgefrästen Seriennummern, haben zwei Kärntner Waffenhändler ab 2011 an die Mafia verkauft. Dafür wurden die beiden, Vater und Sohn, am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt von Richter Christian Liebhauser-Karl zu 24 bzw. 20 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Sie erbaten Bedenkzeit, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

An den ersten Verhandlungstagen hatten die beiden Angeklagten strikt geleugnet, gewusst zu haben, dass sie die illegalen Waffen an die Mafia geliefert hatten. Hätte er davon gewusst, hätte er das niemals gemacht, so der 74-jährige Vater. Sein 48-jähriger Sohn schlug ähnliche Töne an, allerdings meinte er auch, er sei nach der Hausdurchsuchung, bei der alles aufgeflogen war, erleichtert gewesen, dass es nun vorbei sei.

Ab 2011 hatten die beiden Geschäfte mit dem sizilianischen “Gemüsehändler” gemacht, 300 bis 600 Euro wollen sie pro Waffe kassiert haben. Der Sachverständige setzte die Preise deutlich höher an, seinen Berechnungen zufolge hatten die beiden mindestens 1,4 Millionen Euro aus den illegalen Geschäften lukriert. Geldgier war denn auch das Motiv, wie der Vater zugab.

Staatsanwältin Gabriele Lutschounig konstatierte eine “extreme kriminelle Energie” der beiden Angeklagten. Die Geschichte vom “Gemüsehändler”, bei dem man Tomaten und Mozzarella bestellt hätte, sei völlig unglaubwürdig. Richter Liebhauser-Karl erklärte, die beiden würden in ganz Österreich keinen Richter finden, der ihnen dieses Märchen glaube.

Der “Gemüsehändler”, der Kopf eines neapolitanischen Camorra-Clans ist, sitzt inzwischen samt einem beträchtlichen Teil seiner Bande in Neapel im Gefängnis. Laut Aussage eines Zeugen des Bundeskriminalamtes ist dieser spezielle Clan für den Ankauf der von Schusswaffen zuständig. Die aus Kärnten gelieferten Waffen wurden denn auch unter anderem zur Austragung von Bandenkriegen verwendet.

Liebhauser-Karl sah die Beteiligung an einer kriminellen Organisation als erwiesen an, jener Vorwurf in der Anklage mit der höchsten Strafdrohung, nämlich fünf Jahren Haft. Es gebe keinen wie immer gearteten Zweifel, sagte er. Trotz der Unbescholtenheit der Angeklagten und ihrer zumindest teilweisen Geständnisse sehe er keinen Platz für eine teilbedingte Strafnachsicht. Derartige Machenschaften und Geschäfte mit der Mafia könnten nicht toleriert werden, betonte Liebhauser-Karl.

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