Kalte Dusche für die Konjunktur

Inflation bleibt hoch, Arbeitslosigkeit aber stabil © APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER

Die Konjunktur trübt sich zusehends ein. Das Wirtschaftswachstum profitiert noch vom Schub im ersten Halbjahr, steht aber vor einer empfindlichen Abkühlung. Heuer sind laut UniCredit Bank Austria noch 4,4 Prozent Wirtschaftswachstum drin, 2023 aber nur noch 1,5 Prozent. Die Inflation dürfte sich heuer gegenüber dem Vorjahr von 2,8 auf 7 bis 8 Prozent mehr als verdoppeln, ehe sie sich 2023 auf 3,6 Prozent beruhigt.

Die gute Nachricht: Der Arbeitsmarkt dürfte den Ökonomen zufolge stabil bleiben – mit einer Arbeitslosenrate von 6,3 Prozent heuer und 6,2 Prozent im kommenden Jahr, heißt es im UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator. 2021 lag der Wert noch bei 8 Prozent, 2020 bei 9,9 Prozent und im Jahr vor der Corona-Krise bei 7,4 Prozent.

„Trotz der Abkühlung der Wachstumsdynamik im kommenden Jahr wird die Beschäftigung voraussichtlich etwas stärker zunehmen als das Arbeitskräfteangebot und damit im Jahresdurchschnitt eine geringfügige Verringerung der Arbeitslosenquote ermöglichen“, erklärte Ökonom Walter Pudschedl am Dienstag.

„Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im Juli deutlich auf minus 2,0 Punkte gesunken. Damit fiel der Indikator auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren, wie unmittelbar nach dem ersten Lockdown in der Pandemie“, hielt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer fest.

Nach dem „kräftigen Wachstum in der ersten Jahreshälfte“ von durchschnittlich 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr werde sich die heimische Wirtschaft in den kommenden Monaten „voraussichtlich am Rande einer Stagnation bewegen“, heißt es im aktuellen Konjunkturbericht.

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Der stärkste Einfluss auf die Verschlechterung des Gesamtergebnisses des Konjunkturindikators sei im Juli vom erneut starken Einbruch der Stimmung der heimischen Konsumentinnen und Konsumenten ausgegangen.

Der Bau und vor allem die Industrie dürften der vorliegenden Einschätzung zufolge „keine Wachstumsstütze mehr sein“ und der Dienstleistungssektor dürfte „immer weniger entgegenhalten können“.

„Trotz der schwachen zweiten Jahreshälfte wird das Wirtschaftswachstum 2022 insgesamt jedoch mit 4,4 Prozent sehr hoch ausfallen“, so Pudschedl. „Erst 2023 wird sich die einsetzende Konjunkturschwäche in einem niedrigen BIP-Anstieg von maximal 1,5 Prozent deutlich niederschlagen.“

Die hohen Kostenanstiege werden die Investitionstätigkeit dämpfen, die Konsumnachfrage wird wegen der Kaufkraftverluste infolge der hohen Inflation sinken – beides soll die Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr „spürbar belasten, jedoch mit voraussichtlich abnehmendem Einfluss im Jahresverlauf“.

Das Konjunkturklima in Österreich sei zu Beginn des zweiten Halbjahres vor allem durch die spürbare Verschlechterung der Stimmung in der Industrie und am Bau gedämpft worden, erklärte Bruckbauer. Dagegen halte im Dienstleistungssektor noch der Optimismus an, allerdings deute der Rückgang der Konsumentenstimmung auf ein Allzeittief auf eine bevorstehende weitere Eintrübung hin.

Nach dem Anstieg der Teuerung in Österreich im ersten Halbjahr 2022 auf durchschnittlich 6,9 Prozent werde „der Aufwärtstrend der Inflation zumindest bis in den Herbst anhalten“. Die Preisdynamik für Energierohstoffe, die in den vergangenen Monaten bestimmend für den Inflationsanstieg gewesen sei, schwäche sich ab. Dafür werde in den kommenden Monaten die Überwälzung der höheren Kosten von Nahrungsmitteln, Strom und Gas auf die Verbraucher für weiteren Auftrieb sorgen.

„Damit sind zweistellige Inflationswerte in Österreich in den kommenden Monaten nicht mehr auszuschließen“, so die Einschätzung der Ökonomen. Angesichts der volatilen Einflüsse sei die Inflationsprognose jedoch mit hoher Unsicherheit gekennzeichnet.

Erst über den Winter sollte sich der Inflationsauftrieb verlangsamen. Die Inflation werde 2023 vorerst nur langsam sinken. „Wir erwarten dennoch im letzten Jahresdrittel 2023 bereits eine Rückkehr der Teuerung in Richtung 2 Prozent, gedämpft durch die spürbare Abschwächung der Konjunktur“, erwartet Bruckbauer.

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