Kammerorchester Wien-Berlin: Shostakovitch.Schnittke.Lutoslawski

Das Kammerorchester Wien-Berlin verdient für sein neues Album höchste Bewunderung, was die dramaturgisch durchdachte, zeitnahe Programmwahl betrifft mit drei nicht gerade leicht verständlichen Stücken.

Deren Komponisten des 20. Jahrhunderts litten alle unter dem ziemlich gleichen Schaffensdruck, den ihnen die politischen Ereignisse in ihren Ländern auferlegten. In Russland musste Dmitri Schostakowitsch seine wahren Gefühle hinter einer Musikmaske verstecken. Was er in seinem Concerto Nr. 1 für Klavier, Trompete (Gábor Tarkóvi) und Streichorchester mit damals 27 Jahren zu einem ausgelassenen Freiheitsschrei verarbeitet, indem er Stile und Formen durcheinanderwirbelt.

Auch der jüngere Alfred Schnittke, ein Außenseiter der Sowjetunion, gewann wenig Vertrauen für seine persönlich gehandhabte Polystilistik auch im Konzert für Klavier und Streichorchester aus 1979. Dem Werk mit historischen und modernen Anleihen, in dem sogar ein Choralfragment von Bruckner, ein B-A-C-H-Motiv oder eine Zwölftonreihe zu erkennen sind.

Höchste Zeit, den russischen Pianisten Denis Matsuev zu erwähnen, der schon in den vorherigen beiden Werken auffällt und erst recht in den Paganini-Variationen (1941) des Polen Witold Lutoslawski, die als einziges Werk aus den Kriegsjahren gerettet werden konnten, in denen er seine Virtuosität in voller Größe ausspielt.

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