Merz ist Punktsieger der ersten CDU-Regionalkonferenz

Friedrich Merz hat am Donnerstagabend bei der ersten CDU-Regionalkonferenz vor der Kür des neuen Chefs der deutschen Regierungspartei den größten Zuspruch erhalten. Mehrfach wurde der 63-Jährige von lautstarkem Applaus unterbrochen. Besonders, als er in Aussicht stellte, die CDU wieder zu Zustimmungswerten von 40 Prozent zu führen und die AfD in ihren Ergebnissen zu halbieren.

“Es macht richtig Spaß, wieder dabei zu sein”, rief er CDU-Mitgliedern aus dem Norden zu, die zu der ersten Vorstellungskonferenz der drei Kandidaten für den Parteivorsitz gekommen sind. Beim Anblick der voll besetzten Halle merke er, “was mir in den letzten Jahren auch ein bisschen gefehlt hat”, gestand der frühere Unionsfraktionschef. Dafür erntete er jedoch auch etwas Gegrummel der Parteimitglieder. Schließlich wird ihm vorgehalten, in den vergangenen Jahren lieber Geld in der freien Wirtschaft gemacht statt sich an der Parteiarbeit beteiligt zu haben.

Zu der ersten von deutschlandweit acht Regionalkonferenzen unter dem Motto “Demokratie erleben. Zukunft gestalten” wurden die CDU-Mitglieder aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nach Lübeck eingeladen. Das Interesse der Parteibasis an Merz, Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn ist groß: Alle Stühle sind besetzt, wer keinen Platz gefunden hat, steht in den Gängen. Nach den 18 Jahren Angela Merkels an der CDU-Spitze scheint die Partei regelrecht elektrisiert von der Chance, über ihre Nachfolge zu diskutieren und zwischen drei Bewerbern wählen zu dürfen.

Nach ihren Einführungsreden stellen sich die drei Kandidaten den Fragen der Parteimitglieder: Es geht um den Zusammenhalt der Gesellschaft, bezahlbaren Wohnraum, die Auswirkungen der Digitalisierung, autonomes Fahren oder die Ausstattung der Bundeswehr. Auf einem Wecker läuft die Zeit, damit alle Kandidaten in etwa die gleiche Redezeit haben. Richtig in die Mangel genommen werden die Bewerber von der Basis dabei aber nicht.

Auch Merz, die Merkel-Vertraute Kramp-Karrenbauer und der konservative Kanzlerinnen-Kritiker Spahn gehen freundschaftlich miteinander um – nach Monaten des Streits in den Unionsparteien wollen sie nicht mit dem Gezänk weitermachen. Denn eins dürfe nicht vergessen werden, ruft Kramp-Karrenbauer in den Saal: “Der politische Gegner sitzt immer in den anderen politischen Parteien! Er sitzt nie in den eigenen Reihen!” Und Merz bekennt am Ende der dreistündigen Veranstaltung: “Wir haben verabredet, dass wir nur gut übereinander sprechen.”

Bedeckt hielten sich alle drei auch in der heiklen Kanzler-Frage. “Wenn ich Parteivorsitzender werde, wird meine erste Frage im Kopf nicht sein, wie komme ich jetzt zum nächsten Amt”, sagte Spahn. “Dieser Parteivorsitz steht zuerst erst einmal für sich selbst”, auch Kramp-Karrenbauer. Und Merz versprach, mit Merkel entgegen früheren Meinungsverschiedenheiten gut zusammenarbeiten zu können. Beim Kanzleramt “geht es um eins der höchsten Staatsämter der Bundesrepublik Deutschland und die entziehen sich einem solchen Streit”, sagte er.

Die einzige Spitze des Abends kam von Spahn gegen den Favoriten Merz. Als dieser kritisiert, wie Merkel 2015 von Seehofer bei einem CSU-Parteitag auf offener Bühne für ihre Flüchtlingspolitik abgekanzelt wurde, bemerkt Spahn mit Blick auf seinen Kontrahenten: “Wir freuen uns alle, dass Sie wieder da sind”, aber 2015 hätte er sich gewünscht, “wir hätten Sie da dabei gehabt.”

Merz wurde einst als Hoffnungsträger der Union gehandelt. Doch nach der Niederlage der Union bei der Bundestagswahl 2002 drängte Merkel den damaligen Fraktionsvorsitzenden aus dem Amt. Fortan lagen beide im Clinch, 2009 zog sich Merz ganz aus der aktiven Politik zurück.

Dass Merz dann nach Merkels Rückzugsankündigung seinen Finger hob, war für viele eine Überraschung. Während Kramp-Karrenbauer und Spahn in den vergangenen Jahren an unzähligen Parteiveranstaltungen teilnahmen, ist Friedrich Merz für viele CDU-Mitglieder nur ein Name von früher. Die Regionalkonferenzen sind für ihn die Chance, sich bis zum CDU-Parteitag am 7. Dezember den Mitgliedern wieder in Erinnerung zu rufen. In Lübeck hat er sie genutzt.