„Kann nicht gegen Linz verwendet werden“

Bischof Manfred Scheuer sieht im Papst-Schreiben zumindest die Türen nicht zugeschlagen

Es sei ein sehr poetischer Text, der den Schrei der Menschen und den Schrei der Natur in Amazonien ernst nimmt, liest der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer aus dem päpstlichen Schreiben „Querida Amazonia“ heraus.

Nachsatz: Er verstehe aber auch, dass manche enttäuscht sind. Der Bischof hat am Donnerstag gemeinsam mit Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl und dem Missionar Christian Mayr, er war unter anderem bis 2018 Generalvikar in der brasilianischen Diözese Barreiras, zu dem „Nachsynodalen Apostolischen Schreiben“ öffentlich Stellung.

Maria als Rolle der Frau

Auch er hätte sich gewünscht, dass Papst Franziskus gerade bei der Rolle der Frau in der Kirche eine „zurückhaltendere Argumentation“ gewählt hätte und auch nicht in Widersprüche führe, so Bischof Scheuer. Wörtlich heißt es in dem päpstlichen Schreiben: „Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters.“ Die Frauen sollten sich laut Papst an Maria orientieren: „Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben.“ Die Reaktion von Eder-Cakl: „Da bleibt mir die Spucke weg.“

Seit 30 Jahren gebe es theologische Dokumente, dass es nicht an dem Geschlecht von Jesus hängen könne, wer ein Amt innehabe, führte sie aus. „Wir haben alles schon einmal diskutiert, es wird immer wieder gesagt, wir sollen das reifen lassen, aber vor lauter Reifen werden wir schon ganz runzelig, weil wir die Geduld schon verlieren“, ereiferte sie sich. Nicht nur in Europa, auch Amazonasgemeinden, afrikanische Jugendliche und asiatische Katholiken würden neue Schritte im Bereich Weihe, Amt und Frauen fordern. „Es ist für uns schwer nachvollziehbar, warum Papst Franziskus das eindeutige Votum der Synode für eine Lockerung des Zölibats sowie für Weiheämter von Frauen nicht aufgegriffen hat“, ärgert sich auch die Präsidentin der Katholischen Aktion (KA) Oberösterreich, Maria Hasibeder

Bischof Scheuer verweist darauf, dass der Papst an Lateinamerika gedacht hat. Und Mayr findet die ersten drei Kapitel des Schreibens „wirklich gut“. Das Anliegen des Papstes sei ganz klar, dass es höchste Zeit sei, Amazonien zu schützen.

Noch kein Termin in Rom

Was Seelsorge und Laien anbelangt, „kann man einiges aus dem Schreiben rausnehmen“, sagte Scheuer. „Das Dokument kann nicht gegen die Diözese Linz verwendet werden“, sprach er die Strukturreform an, deren Umsetzung 94,5 Prozent der rund 200 Delegierten des Diözesanforums wünschen. Man habe das Handbuch nach Rom geschickt und erwarte in Kürze einen Termin.

Bezüglich vorgefertigter Postkarten mit Reformvorschlägen an Papst Franziskus, deren Verteilung über das Kursangebot des diözesaneigenen Bildungshauses Schloss Puchberg gestoppt worden war, weil man auf das nachsynodale Schreiben warten wollte, meinte die Pastoralamtsdirektorin, es sei gut zu schauen, „wie können wir die Themen noch mal klar machen“. Es sei in Ordnung, wenn die Karten, auf denen dem Papst unter anderem vorgeschlagen wird, „Frauen und verheiratete Männer, die Christus ins Priesteramt beruft, auch zu Priestern zu weihen“, in den nächsten Monaten dem Kursprogramm beigelegt würden. Darüber, dass der Papst recht vage bleibe, könne man enttäuscht sein oder sagen, dass der Papst zumindest keine Türen zugemacht habe, sagte Scheuer. „Ich wünsche mir die Wertschätzung von gegenteiligen Positionen.“ Das Wort Spaltung „nehme ich nicht in den Mund“.

Reifen lassen

Für Kardinal Christoph Schönborn ermutige Franziskus die ganze Kirche und speziell die Kirche in Amazonien, was bei der Synode erarbeitet und gewachsen ist, weiter reifen zu lassen. Der Vorarlberger Bischof Benno Elbs hat das Gefühl, dass Franziskus den Ball an die Bischöfe in Amazonien zurückspiele: „Nicht Rom entscheidet, sondern der Papst nimmt die Regionen in die Verantwortung.“

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