Oschmautz im Wildwasserslalom ein glücklicher Vierter

Für Felix Oschmautz ist der vierte Platz bei den Olympischen Spielen in Tokio ein großartiges Ergebnis. Er war der Jüngste der zehn Kajak-Einer-Finalisten, bewies Nervenstärke und fuhr auf Weltebene seine erste Spitzenplatzierung heraus. Wäre Tor sechs nicht gewesen, wäre es im Wildwasserslalom eine Medaille geworden. „Das war kein kleiner Schnitzer! Aber die restliche Leistung, das muss ich bei aller Bitterkeit sagen, war super.“ Gold ging an Topfavorit Jiri Prskavec (CZE).

Normalerweise würde er einen Lauf, wenn ihm das im Training passiere, dass er ein Tor nochmals anfahren müsse, abbrechen, erzählte Oschmautz. Aber freilich nicht bei Olympia. „Man hat es bei den anderen gesehen, es kocht jeder nur mit Wasser. Da kannst wie Boris Neveu WM, EM alles gewonnen haben, das sind Olympische Spiele. Das ist das Finale, jeder startet bei null, da gibt es keinen Vorsprung wie im Skifahren oder sonst wo. Da liegen die Nerven bei allen blank. Ich habe es trotzdem super zusammengehalten und bin jetzt Vierter.“

Die stärkste Komponente, die er gebracht habe, sei die mentale Leistung gewesen. „Dass ich nach so einem kapitalen Fehler, wo man weiß, das kann keine Medaille werden, noch so einen Lauf fertigfahre.“ Als Neunter ins Finale gekommen, ging er in diesem als Zweiter ins Rennen. Dort hatte er letztlich 1,68 Sekunden Rückstand auf den deutschen Bronzemedaillengewinner Hannes Aigner, Silber holte sich der Slowake Jakub Grigar.

Die Wartezeit im Ziel empfand er als „schön“, denn man stehe dort mit den Leuten, mit denen man das ganze Jahr kämpfe, die aber Freunde seien. „Du stehst da, erlebst die gleichen Emotionen und freust dich, dass du deinen Traum leben konntest.“ Vor drei Jahren habe er bemerkt, dass es in Richtung Spiele laufen könne, es sei eine Riesenbestätigung gewesen, dass es zu etwas Großem reichen könne.

Im vergangenen Jahr sei nicht nur Corona eine Herausforderung gewesen, es seien andere belastende Sachen passiert, auf die er nicht eingehen wollte. Die Leistungen zeigen, dass er seinem Trainer sehr dankbar sein könne. Das ist der Headcoach im Nationalteam, Helmut Oblinger, 2000 in Sydney selbst mit der Erfahrung eines vierten Olympiaranges. Dessen Ehefrau und Olympia-Dritte Violetta Oblinger-Peters ist die Mentalbetreuerin. „Ohne die beiden wäre es für mich unmöglich gewesen, überhaupt auf den vierten Platz zu fahren.“

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Mit Mario Leitner hat Oschmautz einen Teamkollegen, einen Superfreund. „Ich bin so dankbar, wie wir das machen. Wir pushen uns gegenseitig. Man fährt gegeneinander mit aller Härte, aber es wird nie irgendwas geben, dass man sich nicht aushelfen würde.“

Sie seien nun schon zwei Olympia-Qualifikationen gegeneinander gefahren – Leitner war in Rio dabei und 13. – und hätten sich immer ein Appartement geteilt und gemeinsam gekocht. „Bei der ersten hatten wir sogar ein Doppelbett, bei der zweiten schon eigene Zimmer. Es ist schön, wenn man den Sport so ausleben kann und sich nicht bekriegt, weil viel Geld im Spiel ist. Es ist cool, so seinen Traum leben zu können.“

Zu verdienen gäbe es nicht viel, und ohne das Bundesheer wäre Leistungssport in olympischen Disziplinen in Österreich kaum möglich, meinte er. Die Ergebnisse in Tokio mit Rang vier für Oschmautz und fünf für Nadine Weratschnig im Canadier sind beachtlich. „Wir sind ein superjunges Team, da kann das Trainerteam sehr stolz auf die Arbeit sein.“ Im Kanusport müsse man das, was an Strukturen da sei, für sich selbst am besten nützen. Wien sei mittlerweile sein Haupttrainingspunkt, er studiere nebenbei Informatik.

Für Olympia 2023 in Paris wird es die gleiche Zielsetzung geben. „Ins Finale fahren, dann das Finale genießen. Es ist ein bisserl der Respekt den anderen Sportlern gegenüber. Wenn ich einen Weltklasselauf fahre und wenn drei Leute jeweils eine Hundertstel schneller fahren, sind alle Medaillen weg und ich bin wieder Vierter. Dann ist das auch okay.“

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