Karfreitagsschock in Nordirland

Journalistin bei schweren Unruhen in Londonderry erschossen

Bei schweren Unruhen im nordirischen Derry ist in der Nacht zum Karfreitag eine Journalistin erschossen worden. Die Polizei stufte den Tod der 29-jährigen Lyra McKee als „terroristischen Vorfall“ ein und ermittelt wegen Mordes.

McKee sei getroffen worden, als ein Mann auf Polizisten geschossen habe, sagte gestern der nordirische Vize-Polizeichef Mark Hamilton. Die Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen, weil rund 50 Brandsätze gegen die Polizei geflogen seien. Der Todeschütze sei ein „gewalttätiger Nationalist“, so Hamilton.

Folge des Brexit-Dramas

Lyra McKee wurde bei den Unruhen in Londonderry erschossen. © AFP/Lowe
Lyra McKee wurde bei den Unruhen in Londonderry erschossen. © AFP/Lowe

Der Vorfall zeigte die angespannte Lage in Nordirland, die im Brexit-Drama eine entscheidende Rolle spielt. Seit Jahresbeginn sind wiederholt Sprengsätze in Londonderry explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hätte.

Zuletzt war im Zuge der Brexit-Verhandlungen die Sorge gewachsen, dass die drohende Einführung von Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und der zur EU gehörenden Republik Irland die Gewaltspirale wieder in Gang setzen könnte. In dem über Jahrzehnte währenden Konflikt kämpften katholische Nationalisten für die Vereinigung mit Irland und gegen protestantische Unionisten, die bei Großbritannien bleiben wollen.

Das Karfreitagsabkommen von 1998 hatte den Konflikt beendet. Es sieht neben der Aufteilung der Macht zwischen Protestanten und Katholiken eine Grenze zwischen Irland und Nordirland ohne Kontrollen vor. Die Grenzfrage ist ein Knackpunkt im Brexit-Streit. Die EU-Staaten sehen das Karfreitagsabkommen gefährdet, sollten im Zuge des Austritts Großbritanniens aus der EU wieder Grenzkontrollen zwischen Nordirland und Irland eingeführt werden. Die jüngsten Unruhen bestätigen diese Befürchtungen.

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