Katars islamistische Missionierung Europas

Buch „Qatar Papers“ zeigt, wie das Mini-Emirat am Persischen Golf den politischen Islam exportiert und dabei auch Österreich im Visier hat

Die modernen Glitzerfassaden von Doha kaschieren einen Muslimbruder-Islam, der auch nach Europa exportiert wird.
Die modernen Glitzerfassaden von Doha kaschieren einen Muslimbruder-Islam, der auch nach Europa exportiert wird. © Paul - stock.adobe.com

In zwei Jahren wird Katar die Fußball-WM zur Selbstinszenierung als moderner Staat nützen. Hinter den Glitzerfassaden der futuristischen Skyline von Doha würde man kein mittelalterliches Gesellschaftssystem vermuten.

Doch tatsächlich ist das Emirat am Persischen Golf eine absolute, auf der Scharia basierende Erbmonarchie. Und die lebt den rückwärtsgewandten Islam nicht nur auf ihrem Territorium von der Größe Oberösterreichs, sondern trägt ihn mit der Muslimbruderschaft hinaus in die Welt.

In ihrem soeben im Wiener Seifert-Verlag auf deutsch erschienenen Buch „Qatar Papers — So beeinflusst der Golfstaat den Islam in Europa“ liefern die beiden französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot erstmals Beweise für die Existenz eines Netzwerkes, das unter der Tarnkappe einer Wohltätigkeitsorganisation Islamismusexport betreibt.

Den Autoren wurde ein Datenstick zugespielt mit tausenden Dokumenten, E-Mails, Zahlungsbestätigungen und Spenderlisten der Organisation „Qatar Charity“ (QC). Die in 70 Ländern aktive Hilfsorganisation investierte demnach allein im Jahr 2014 72 Millionen Euro in 113 Moscheen und islamische Zentren in Europa.

Katarische Millionen für Muslimbrüder

Die Autoren betonen, dass es sich dabei weder um illegale Finanzierungen noch um dschihadistische Tendenzen handle, dennoch aber um eine gefährliche Entwicklung für westliche Demokratien. Denn der katarische Geldregen ergießt sich meist über Vereine im Umfeld der Muslimbruderschaft. Und diese, schreibt die Schweizer Islamismus-Expertin Saida Keller-Messahli im Vorwort, „gilt heute nicht nur als größte und einflussreichste islamistische Bewegung weltweit, sondern auch als Matrix aller islamistischen Terrororganisationen“.

Den Schwerpunkt der QC-Aktivitäten bilden Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Obwohl die geleakten Dokumente keine direkten Geldflüsse nach Österreich belegen, enthält das Buch dennoch ein ausführliches Österreich-Kapitel. Das liegt zum einen daran, dass es viele seit den 1960er Jahren aus Ägypten und Syrien vertriebene Muslimbrüder in die Alpenrepublik verschlagen hat, wo sie weitgehend ungehindert ihre Netzwerke auf ganz Europa ausdehnen konnten.

„Österreich ist zweifellos ein europäisches Land, wo die Muslimbrüder ein besonders freundliches Umfeld vorfanden“, wird etwa der Extremismusforscher Lorenzo Vidino von der George Washington Universität zitiert. Zum anderen rechtfertigen Dokumente mit Bezug zu österreichischen Islam-Vereinen eine ausführlicher Betrachtung der Szene.

So finden sich in den „Qatar Papers“ auf einer Kontaktliste der QC Adresse und Telefonnummer des Islamischen Kulturzentrums Graz sowie der Name von dessen Vorsitzendem Mahdi Mekic. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Spekulationen über eine Finanzierung des Zentrums durch arabische Fundis gegeben. Mekic bestreitet dies aber gegenüber dem VOLKSBLATT: „Das Islamische Kulturzentrum Graz hat keinerlei Beziehungen zur Qatar Charity. Das heißt auch, dass Qatar Charity kein Spender — klein oder groß — unseres Zentrums ist oder war.“

Empfehlungsbrief der Glaubensgemeinschaft

Hochinteressant sind auch Dokumente mit Bezug zur Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Diese schickte am 4. Juni 2014 ein Empfehlungsschreiben für die Islamische Verienigung in Österreich (IVÖ) an den katarischen Botschafter in Wien.

Darin bestätigt der damalige IGGÖ-Vorsitzende Fuat Sanac, „dass der Verein (Islamische Vereinigung in Österreich – Al Hidaya Moschee) einer jener Vereine ist, die im Bereich der islamischen Predigt in Österreich arbeiten … Der Verein leitet mehrere Kindergärten und überwacht die islamische Predigt an mehreren zwischen Wien, Linz und Salzburg verteilten Moscheen.“ Gegründet wurde die IVÖ von dem Syrer Jamal Morad, der sich laut den Autoren in einem Interview für das ägyptische Fernsehen als Mitglied der Muslimbruderschaft bekannt haben soll.

Zwölf Tage nach dem IGGÖ-Empfehlungsbrief teilt die IVÖ mit einem ebenfalls bei „Qatar Charity“ gefundenen Dokument mit, dass Morad und zwei weiteren IVÖ-Chefs auf einem Konto bei der Erste Bank in Wien zeichnungsberechtigt seien. Eine entsprechende Bestätigung der Erste-Filiale in der Taborstraße wird mitgeschickt. Am selben Tag geht auch eine von Außen- und Innenministerium in Wien bestätigte Abschrift der IVÖ-Statuten nach Doha.

Warum Konto-Daten nach Doha geliefert?

Ein Nachweis für Geldflüsse ist das nicht. Einen solchen haben die Autoren auch nicht gefunden. Es stellt sich aber die Frage, warum die IGGÖ den von einem mutmaßlichen Muslimbruder geführten Verein an Katar empfahl und wozu QC die IVÖ-Kontodaten brauchte. Bei der IVÖ war für eine Anfrage niemand erreichbar. Die IGGÖ ließ die Bitte um eine Stellungnahme unbeantwortet.

Von Manfred Maurer

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