Katharina J. Ferner: Der Anbeginn

Katharina J. Ferner taucht in ihrem märchenhaften Entwicklungsroman „Der Anbeginn“ tief ein in eine archaische Dorfgemeinschaft. Dort gilt das alte, fatalistische Gesetz, dass mit dem Beginn eines neuen Lebens ein anderes endet.

Sie schildert in fantasievollen Bildern das Heranwachsen eines Mädchens, das als junge Frau das Werden und Vergehen selbst vorantreibt. Mit der vom Dorf gefeierten Geburt der Ich-Erzählerin geht zugleich das Leben der Großmutter zu Ende. Als die Protagonistin sieben Jahre alt wird, wird die tote Großmutter ihre humorvolle Wegweiserin.

Im Dorf wird mit Naturalien bezahlt, Wissen wird mündlich weitergegeben. Es ist eine Gesellschaft der Frauen. Männer spielen kaum eine Rolle. Die Rollenbilder sind klar und werden allgemein nicht hinterfragt: Frauen verlassen das Dorf nicht. Das bringe ihnen Unglück. Die Grenzen sind durch die gefahrvolle Natur klar abgesteckt.

Handel und Abenteuer obliegen den Männern, fahrende Händler sind der Zugang zum Außen. Die Natur hat in dem Roman ein magisches Eigenleben. Gewalt und Tod sind allgegenwärtig, aber nicht als Schrecken, sondern als Teil eines Kreislaufs.

Objekte sind symbolisch aufgeladen, etwa der Kamm der Großmutter. Die 1991 geborene Katharina J. Ferner lebt in Salzburg. Sie hat ein Buch geschaffen, das in mehrfacher Hinsicht eine Welt für sich ist.

Katharina J. Ferner: Der Anbeginn. Limbus Verlag, 224 Seiten, 22 Euro

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