Skurrile Befragung Kathrin Glocks im U-Ausschuss

Kathrin Glock hat am Dienstag im Ibiza-U-Ausschuss zur mutmaßlichen Käuflichkeit der türkis-blauen Regierung ausgesagt. Die Befragung gestaltete sich zum Großteil skurril, was unter anderem auch daran lag, dass die Frau des Waffenproduzenten Gaston Glock wegen von ihr geäußerten Befürchtungen einer Corona-Ansteckung in einem separaten Raum befragt wurde. Wegen der Videoübertragung gab es Verständnisschwierigkeiten. Auch mit Glocks Art hatten die Abgeordneten zu kämpfen.

In ihrer einleitenden Stellungnahme zeigte Glock wenig Verständnis ob ihrer Vorladung, und dass ihr „in Zeiten der Pandemie“ nicht die Möglichkeit eingeräumt worden sei, am Ende des U-Ausschusses auszusagen. Ihr sei es immer darum gegangen, ihren Mann vor einer Erkrankung zu schützen.

Glock, deren Mann als vermeintlicher Parteispender von Strache im Video genannt wurde, betonte, dass alle strafrechtlich relevanten Vorwürfe von der WKStA geprüft worden seien und dass sie Fragen, die ihr ein strafrechtlich relevantes Verhalten unterstellten, nicht beantworten werde. Immer wieder desinfizierte sich Glock demonstrativ die Hände, wechselte ihre Maske und bat um Pausen. Außerdem beanstandete sie oft die Fragen der Abgeordneten und weigerte sich generell, diese zu beantworten. Sie lasse sich nicht wie ein „Schulmädchen“ behandeln.

Zur Bestellung zur Aufsichtsrätin der Austro Control durch den damaligen Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) meinte Glock, dass dieser sie zwei Monate vor der Bestellung angerufen und gefragt habe. Daraufhin habe sie sich „Bedenkzeit“ erbeten und ihre „zeitliche Ressourcen“ geprüft, denn sie sei Geschäftsführerin von sieben Gesellschaften. Fernab des Glock-Konzerns führe sie auch ihr Familienunternehmen. Schließlich habe sie Hofer aber zugesagt. Auf Fragen nach ihrer Qualifizierung für den Posten reagierte Glock großteils emotional. Ihr Mann habe sie sechs Jahre auf ihre Aufgaben vorbereitet, sie gehe durch die harte Schule und: „Ich halte es wie unser Bundeskanzler, der hat bewiesen, dass man alles kann.“

Hofer habe sie das erste Mal 2016 im Zuge eines Tierheimbesuchs in Villach getroffen, so Glock, die anmerkte: „Villach liegt in Kärnten“. Zudem habe es auch Privatbesuche Hofers in Velden gegeben, so „zwei bis dreimal“. Bei Privatbesuchen sei er stets alleine gekommen, erklärte Glock auf Nachfrage von Verfahrensrichter Wolfgang Pöschl. Auch der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache sei „bei unseren Reitturnieren“ zu Gast gewesen, so wie die ehemalige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Sie wies aber darauf hin, dass dabei immer Eintrittsgeld bezahlt worden sei, und dieses sei dann immer für karitative Zwecke gespendet worden. Aus den Medien kenne man nur „die halben Wahrheiten“, sie sei aber nun hier, „um aufzuklären“, betonte sie.

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Auf die Frage, ob auch andere Politiker als Freiheitliche zu Gast gewesen seien, führte Glock etwa den Villacher Bürgermeister an, ohne dessen Namen zu nennen. Genau könne sie sich aber nicht mehr erinnern, denn bei den Veranstaltungen seien immer über 500 Gäste geladen gewesen. „Ich begrüße bei einem Turnier täglich 500.“ Zudem habe sie den Ablauf der Veranstaltungen über. Leichter würde sie sich tun, wenn man sie danach fragte, ob der Schauspieler John Travolta anwesend gewesen sei. Dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) einmal dabei war, könne sie aber jedenfalls ausschließen.

Glock bestätigte auch, dass Strache bei ihr um eine Parteispende angefragt habe, aber: „Ich habe nicht darauf geantwortet.“ Stattdessen sei die Nachricht an den Anwalt des Unternehmens weitergeleitet worden. Dass es Spenden an Parteien oder parteinahe Vereine habe es aber nie gegeben, Wahrnehmungen, dass Strache oder Hofer Bargeld von Glock bekommen hätten, habe sie keine. Nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos habe es keinen Kontakt mehr zum ehemaligen Vizekanzler und FPÖ-Chef gegeben.

Warum Strache im Ibiza-Video behauptet hatte, dass Glock Politiker bezahle, konnte sich die Auskunftsperson nicht erklären, aber „viele schmücken sich mit dem Namen Glock“. Über derartige Finanzierungen sei auch bei den Charity-Events des Unternehmens nicht gesprochen worden. Glock bestätigte, dass Hofer einmal einen Hubschrauber der Glock Aviation gebucht habe – und auch bezahlt.

Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli kam auf einen Besuch Hofers bei Glock im Februar 2018 zu sprechen. Daraufhin habe die Anwältin Glocks dem nunmehrigen FPÖ-Obmann eine Nachricht mit Anregungen zum Stiftungsrecht geschrieben, zu der die Auskunftsperson aber nichts Näheres sagen konnte. Von ihr selbst habe es nie derartige Anregungen zu diesem Thema gegeben. Eine Mail, die ihr Tomaselli zeigte, war Glock nicht erinnerlich, wie sie sagte.

Nach rund vier Stunden endete die Befragung Glocks am späten Abend. Am Mittwoch sind – wegen der Nationalrats-Sondersitzung ab dem frühen Nachmittag – der ehemalige Landesrat Christian Illedits (SPÖ) sowie Markus Braun, Vorstand der Sigma Investment AG, als Auskunftspersonen geladen.

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