Katzian erwartet nach Corona-Krise Verteilungsdebatte

ÖGB-Chef Wolfgang Katzian erwartet nach der Corona-Krise eine heftige Verteilungsdebatte und viele gesellschaftliche Umwälzungen. Und er spricht sich dafür aus, dass die Kosten der Krise dem “Geldbörsel” entsprechend verteilt werden. “Jene mit dem ganz großen Vermögen sollen auch einen ganz großen Beitrag leisten”, sagte Katzian in der ORF-Pressestunde am Sonntag.

Ob das in Form einer Vermögenssteuer geschehen solle, sei nicht so wichtig. “Ich bin offen, wie die Dinge heißen. Am Ende des Tages müssen große Vermögen Entsprechendes leisten.” Wenn manche schon an die Sparpakete von morgen denken, “wird es die größten Verteilungskämpfe geben, die Österreich und Europa je erlebt haben”. Nach der Krise könne es nicht weiter gehen wie davor, warnte Katzian davor, die Kosten der Krise alleine auf die Arbeitnehmer abzuwälzen.

Er hoffe auf ein “Umdenken in der Gesellschaft” und auf die Erkenntnis, “dass vorher nicht alles so gut gelaufen ist, wie man geglaubt hat”. “Ich hoffe sehr, dass sich manche Dinge ändern”, so Katzian. Konkret wünscht sich der Gewerkschaftschef, dass die Kritiker des Sozialstaates leiser treten, denn ohne den Sozialstaat wäre die Lage viel dramatischer. Hätte man den “Sozialstaat auf die Müllhalde geworfen” und das Gesundheitswesen so zusammengespart, wie das jahrelang von sogenannten Experten empfohlen worden sei, wäre Österreich heute schlimm dran. Österreich erlebe eine Solidaritätswelle und er hoffe, “dass das Aufeinander-Zugehen und sich Um-einander-Kümmern erhalten bleibt”.

Zur Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen bleibt Katzian auf Distanz. Man könne und solle in der jetzigen Situation über alles diskutieren, aber der Gewerkschaft seien “ordentliche Einkommen wichtiger”. In der Debatte um Rückholungen von Produktionen nach Europa stimmte Katzian damit überein, dass Österreich und Europa sicherstellen müssen, “dass wir die Dinge zum Leben zur Verfügung haben”. Es gehe etwa um Pharmaprodukte, Schutzausrüstungen oder Beatmungsgeräte. “Es werden manche Dinge vielleicht etwas mehr kosten, aber dafür werden wir sie haben, wenn wir sie brauchen.”

Hier habe die EU “ein großes Problem und eine große Diskussion vor sich”. Es könne nicht sein, dass von Österreich bestellte und schon bezahlte Schutzausrüstung an der deutschen Grenze nicht durchgelassen werden und man dafür an höchster Stelle intervenieren müsse. “Das versteht niemand.”

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