Kein Ende der Diesel-Krise bei den Autoherstellern

Ermittlungen und Rückrufaktionen wegen Abschalteinrichtungen bei Audi, BMW, Daimler und VW – Nur Opel nicht von Vorfällen betroffen

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Nach Angaben von Daimler ist ein Großteil der 774.000 Fahrzeuge in Europa, die wegen unzulässiger Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung in die Werkstätten müssen, schon im freiwilligen Rückruf-Programm des Autobauers enthalten.
Nach Angaben von Daimler ist ein Großteil der 774.000 Fahrzeuge in Europa, die wegen unzulässiger Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung in die Werkstätten müssen, schon im freiwilligen Rückruf-Programm des Autobauers enthalten. © AFP/Patrick Stollarz

Es begann mit VW im September 2015, dann kippte ein Steinchen nach dem anderen um. Mittlerweile sind viele deutsche Autohersteller in den Abgasskandal verwickelt, es gibt Ermittlungen und unzählige Klagen. Hier ein kurzer Überblick.

Beim Branchenprimus VW waren in Summe elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Der Abgasskandal ist für VW auch eine juristische Großbaustelle. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen fast 50 mutmaßlich Beteiligte. Anklagen gibt es bisher nicht. Gegen Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn laufen – wie auch gegen den neuen VW-Chef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch – Untersuchungen wegen möglicher Marktmanipulation. Sie sollen Anleger zu spät über die drohenden Konsequenzen informiert haben.

Gegen die VW-Tochter Audi leitete die Münchner Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Chef Rupert Stadler ein und durchsuchte seine Wohnung. Sie legt ihm und einem namentlich nicht genannten Audi-Vorstand „Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last“.

BMW wiederum wird von der Münchner Staatsanwaltschaft seit März verdächtigt, in rund 11.000 Dieselautos eine falsche Abgas-Software eingebaut zu haben. Der Konzern rechtfertigte sich, dass bei den Fahrzeugen der 5er- und 7er-Baureihe irrtümlich die Software einer anderen Baureihe aufgespielt worden sei.

Daimler-Chef Dieter Zetsche musste sich am Montag eine bittere Pille beim deutschen Verkehrsminister Andreas Scheuer abholen: 774.000 Mercedes-Benz-Diesel muss Daimler europaweit zurückrufen. Auch hier lautet der Verdacht auf die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung.

Einzig Opel hat bisher weder mit Ermittlungen der Justiz noch mit einem Pflicht-Rückruf zu tun. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte Vorermittlungen vor mehr als einem Jahr eingestellt.