„Kein Zusammenbruch des Systems“

LH-Stv. Haberlander präsentiert die aktuelle Kindertagesheimstatistik

Von Harald Engelsberger

„Der herbeigeredete Zusammenbruch des Systems ist nicht eingetreten“, stellte LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (Bild) anlässlich der gestrigen Präsentation der Kindertagesheimstatistik 2018/19 fest — und sie meinte damit die Kritik an der Wiedereinführung der Kindergartengebühr am Nachmittag ab 13 Uhr im Februar 2018. Im Vergleich zum Beobachtungszeitraum 2017/18 habe sich die Anzahl der Gemeinden mit einem Kindergarten mit Nachmittagsbetreuungsangebot ab 13 Uhr um 38 auf 333 Gemeinden reduziert, wobei rund zwei Drittel dieser Gemeinden die Öffnungszeiten maximal um 15 bis 30 Minuten reduziert hätten. „Die Gemeinden und auch die Eltern haben sich dem Tarifmodell angepasst“, so Haberlander.

Auch das Argument, mit Wiedereinführung des Elternbeitrags am Nachmittag würde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem für die Mütter erschwert, stimme laut Haberlander nicht. So sei der Anteil der berufstätigen Mütter von Kindergartenkindern von 65 Prozent auf 67 Prozent im laufenden Jahr gewachsen.

9788 Beschäftigte in der Kinderbetreuung

Generell habe sich in Oberösterreich die durchschnittliche Wochenöffnungszeit der 724 Kindergärten 2018/19 im Vergleich zum Vorjahr nur um 15 Minuten auf 41,5 Stunden verkürzt. Wegen dieser geringen Reduzierung sei es auch nicht zu dem befürchteten Kahlschlag beim Personal gekommen. So sind heuer mit 3808 um 51 Personen weniger in Kindergärten beschäftigt. Insgesamt arbeiten in den oö. Krabbelstuben, Kindergärten und Horten sogar 9788 Menschen. „Mehr als 80 Prozent der Kinder haben in Oberösterreich die Möglichkeit, im Kindergarten bis 16 Uhr betreut zu werden“, betonte Haberlander, die sich allerdings erstaunt zeigte, dass nur 20 Prozent der Kinder das Nachmittagsbetreuungsangebot pro Tag in Anspruch nehmen. Die Ängste, dass mit dem Verlangen einer Kindergartengebühr ab 13 Uhr das Angebot drastisch abnehme und nicht mehr der Nachfrage entspreche, waren laut Haberlander zwar „verständlich“, aber dennoch „nicht berechtigt“.

Tageseltern als flexible Alternative gefragt

Als wichtige Ergänzung zu den institutionellen Betreuungseinrichtungen sieht Haberlander vor allem die flexible Betreuung durch Tagesmütter: „Heuer befinden sich bereits 1827 Kinder in Tageselternbetreuung und werden von mittlerweile 521 Tagesmüttern und -Vätern betreut. Allein in diesem Jahr sind das 130 Neuzulassungen. Das Land Oberösterreich fördert den Bereich der Tageseltern 2019 mit mehr als 5,7 Mio. Euro, hier hat sich das Budget seit 2014 verdoppelt.“

Auch in das Bauprogramm investiert das Land laufend, aktuell gibt es in OÖ 113 Kindergartenprojekte, 63 Krabbelstubenprojekte und 11 Hortprojekte, die bereits genehmigt sind. Das entspricht einem Investitionsvolumen von mehr als 111 Millionen Euro. Weitere 66,4 Millionen Euro sind für bereits angemeldete Projekte — 109 Kindergarten, 76 Krabbelstuben und 22 Horte — reserviert.

Kritik kommt von SPÖ und den Grünen

SPÖ-Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer wertete die Statistik negativ. „38 Kindergärten haben nach der Einführung der Nachmittagsgebühren ihre Öffnungszeiten gekürzt. Anstatt das Angebot zeitlich zu erweitern und attraktiver zu machen, gibt es hier einen Rückschritt“, kritisierte sie in einer Aussendung und ortet „kein Vorwärtskommen beim Ausbau der Krabbelstuben“. Auch die Grünen sehen einen „evidenten Schaden“ durch die Wiedereinführung der Gebühr und bekritteln, dass sich die Anzahl der Gemeinden ohne Nachmittagsbetreuung von 40 auf 78 nahezu verdoppelt habe. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, meinte Landessprecher Stefan Kaineder.

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