„Keine Eigenwerbung, sondern Lehrstunde“

Auftritt Österreichs beim 0:1 in der Nations League gegen Bosnien war herber Rückschritt

Von Christoph Gaigg

Wo waren Spielfreude und Torgefahr? Wo waren Aggressivität, defensive Stabilität und das schnelle, schnörkellose Spiel nach vorne? Nichts von alledem, was die Österreicher in den meisten Tests unter Teamchef Franco Foda ausgezeichnet hatte, brachte die Mannschaft im ersten Pflichtspiel auf den Platz. Das 0:1 zum Start in die Nations League gegen Bosnien war ein herber Rückschlag. „Das war heute keine Eigenwerbung, sondern eine Lehrstunde — wie man es am besten nicht mehr machen soll“, gab Sebastian Prödl zu. „Wenn wir nach so einem Spiel nicht selbst unsere schärfsten Kritiker sind, sind wir sehr dünnhäutig und fernab der Realität“, sagte Prödl.

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Was sonst auffiel

Kontrolle verloren: Unerklärlich war, dass nach eigentlich gutem Beginn das Spiel völlig aus der Hand gegeben wurde. „Wir haben komplett den Faden verloren“, hatte Foda keine Gründe dafür.

Umschaltsituationen verschenkt: Die in der Defensive arg limitierten Bosnier wurden zwar konsequent angepresst und zu Ballverlusten gezwungen. Nur konnte das ÖFB-Team damit überhaupt nichts anfangen. „Wir haben falsche Entscheidungen getroffen, je näher wir zum Tor kamen“, monierte der Teamchef.

„Haben nicht mehr Fußball gespielt“

Technische Fehler: Unzählige Fehlpässe, Ungenauigkeiten und Ausrutscher führten dazu, dass Österreich kaum Gefahr ausstrahlte. Die vielen langen Bälle blieben völlig wirkungslos. „Wir haben nach 25 Minuten nicht mehr Fußball gespielt“, sagte Foda.

Fehleranfällige Defensive: Der teils schwache Spielaufbau war noch das geringere Übel. Trotz Überzahlsituationen und eigentlich passabler Staffelung kamen die Bosnier zu vier Topchancen.

Ärger wegen Handspiels

Zweimal stimmte die Zuteilung überhaupt nicht, einmal patzte Goalie Lindner und beim Gegentor attackierte Ilsanker nach Arnautovics Ballverlust zu früh heraus, während Prödl Dzeko gar nicht störte. „Bei dem Konter hat ein bosnischer Verteidiger den Ball mit der Hand gespielt“, ärgerte sich der blasse Kapitän Arnautovic. Das Tor wäre dennoch zu verhindern gewesen.

Das Fazit vom Teamchef: „Es waren Phasen dabei, die nicht schlecht, aber auch viele Phasen, die nicht zufriedenstellend waren. Ich habe nicht alles schlecht gesehen, so wie ich in den Tests davor nicht alles gut gesehen hatte. Das Problem war, dass nicht jeder Spieler an seine Grenzen gekommen ist.“