Keine Fahrlässigkeit bei Gletscherbruch in den Dolomiten

Helikopter am Weg zum Gletscher © APA/AFP/TIZIANA FABI

Nach der Gletscher-Lawine in den Dolomiten sind am Mittwoch zwei weitere Tote geborgen worden. Mit Hilfe von Drohnen wurden die Leichen der Alpinisten lokalisiert und geborgen, die alle vermutlich derselben Seilschaft angehört hatten. Bei den Leichen dürfte es sich um Männer handeln. Anfangs hatten die Rettungsmannschaften noch von drei geborgenen Leichen berichtet, die Zahl wurde jedoch vom Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti auf zwei zurückgestuft.

Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf neun. Drei Personen gelten noch als vermisst, dabei handelt es sich um Italiener aus der Region Venetien. Acht Personen wurden verletzt, eine von ihnen konnte bereits das Krankenhaus verlassen.

Der zuständige Oberstaatsanwalt von Trient, Sandro Raimondi, schloss indes Fahrlässigkeit als Ursache der Tragödie aus. Der Gletscherbruch sei ein „unvorhersehbares Ereignis gewesen“, so Raimondi im Interview mit Rai 3. Dies gehe klar aus den ersten Untersuchungen hervor. Der Zugang zur Bergspitze bleibt gesperrt und wird von der Polizei bewacht. Der Staatsanwalt reagierte mit seinen Aussagen indirekt auf Vorwürfe einiger Angehöriger von Todesopfern. Da die Lawinengefahr am Sonntag groß gewesen sei, hätte nach Ansicht der Hinterbliebenen der Zugang zum Berg wegen der hohen Temperaturen verboten werden sollen.

In der Marmolata-Hütte (alternativ: Marmolada) auf dem Gletscher wurden inzwischen Überwachungsgeräte installiert, mit denen die kleinsten Veränderungen der Gletscherfront – sowohl der abgebrochenen als auch der intakten – erfasst werden können, erklärte der Experte Marco Gaddo. Die von den Instrumenten erfassten Daten werden zur Analyse und Verarbeitung an ein Kontrollzentrum übermittelt. „Der Gletscherbruch war ein außergewöhnliches, sogar ein einzigartiges Ereignis, was von vielen Experten bestätigt wird. Auf dem Gletscher gab es auch Bergführer und damit Leute, die den Berg bestens kannten“, sagte der Trentiner Landeshauptmann Fugatti.

Die Region denkt aktuell daran, Alarmsysteme für Bergsteiger einzuführen. „Rote Fahnen auf den einsturzgefährdeten Gletschern könnten Alpinisten helfen, bewusstere Entscheidungen zu treffen“, sagte Fugatti in einem Interview mit der Tageszeitung „La Repubblica“ (Mittwochausgabe). Zu dem Thema soll nun auf Expertenberichte gewartet werden. Sobald die Lage es erlaube, soll dann auch wieder die Suche mit Rettungseinheiten weitergeführt werden. Dies werde aber voraussichtlich nicht vor Donnerstag möglich sein, derzeit sind laut Fugatti jedoch Drohnen zu diesem Zweck im Einsatz.

Von den Toten wurden bisher vier Italiener identifiziert, darunter ein 52-jähriger Bergführer. Er soll eine der beiden später verschütteten Seilschaften geführt haben. Zu den Opfern zählt auch ein 48-jähriger Manager aus Venetien. Seine 51-jährige Frau überlebte mit vielen Frakturen und liegt im Krankenhaus. Bei den anderen Todesopfern dürfte es sich um Ausländer handeln, ihre Identität ist jedoch noch nicht bekannt.

Die Wahrscheinlichkeit, Vermisste noch lebend bergen zu können, ist laut den Rettungseinheiten äußerst gering. „Wir haben die moralische Pflicht, den Angehörigen die Leichen der Todesopfer zurückzugeben“, betonte Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, zu der Teile des Marmolata-Massivs gehören.

Am Samstag ist in der Trentiner Ortschaft Canazei und im gesamten Trentiner Fassa-Tal ein Trauertag vorgesehen. Der Erzbischof von Trient, Lauro Tisi, wird mit dem Pfarrer von Canazei Mario Bravin, Mitglied der Alpinrettung, eine Gedenkzeremonie zu Ehren der Opfer zelebrieren.

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